Die rasante Entwicklung im Bereich Künstlicher Intelligenz (KI) führt zu einem erheblichen Anstieg von Elektroschrott: Laut einem Bericht der United Nations University vom Juni könnten jährlich etwa 2,5 Millionen Tonnen Hardware-Abfall durch den Austausch von Komponenten in Rechenzentren entstehen. Dies entspricht dem Gewicht von 250 Eiffeltürmen.
Wachsender Elektroschrott durch KI-Infrastruktur
Elektronischer Abfall (E-Schrott), der aus ausgedienten Geräten wie Computern und Mobiltelefonen besteht, ist die am schnellsten wachsende Abfallkategorie weltweit. Bis 2030 wird die jährliche Gesamtproduktion voraussichtlich 82 Millionen Tonnen erreichen. Die benötigte Infrastruktur für KI, insbesondere sogenannte Hyperscale-Rechenzentren, die Millionen Quadratfuß umfassen und mindestens 5.000 Server beherbergen können, trägt maßgeblich zu dieser Entwicklung bei. Allein in den USA befinden sich über 1.500 Rechenzentren in verschiedenen Entwicklungsstadien.
Toxische Gefahren und Recycling-Herausforderungen
Alte Elektronik enthält giftige Metalle und Chemikalien wie Arsen, Blei, Cadmium und Quecksilber. Diese Stoffe können die Umwelt kontaminieren, Wassersysteme, Ökosysteme und Nahrungsketten belasten. Solomon Njoroge, Gründer der Dandora Recyclable Waste CBO in Kenia, berichtet von schweren gesundheitlichen Problemen wie Asthma, Fehlgeburten und Krebs bei Müllsammlern, die auf Deponien wie Dandora arbeiten.
Das Recycling von Speichermedien, insbesondere von Festplatten für Archivierungszwecke, ist besonders schwierig. Um Datenschutzstandards zu erfüllen, erfordert die sichere Löschung von Daten viel Zeit. Gartner-Analyst Tony Harvey weist darauf hin, dass zur 100-prozentigen Datensicherheit oft nur die physische Zerstörung bleibt, was wiederum die Freisetzung toxischer Metalle und Chemikalien begünstigt, wenn nicht sachgemäß gehandhabt.
Internationale Reaktionen und Kreislaufwirtschaft
Als Reaktion auf die wachsende Problematik hat die UNO im Dezember eine von Kenia initiierte Resolution verabschiedet. Diese fordert eine nachhaltige Entwicklung und den Einsatz von KI sowie die Bereitstellung von Umweltdaten zur Untersuchung der Auswirkungen und Risiken. Die UN Umweltprogramm-Beauftragte Golestan Radwan betont die Notwendigkeit, Innovationen für nachhaltige Technologien zu fördern, anstatt die KI-Entwicklung generell zu stoppen.
Einige große Rechenzentrumsbetreiber setzen bereits auf das Konzept der Kreislaufwirtschaft, um Hardware so lange wie möglich im Umlauf zu halten. Microsoft hat sich verpflichtet, bis 2030 keinen Abfall mehr zu produzieren, und hat dafür sechs sogenannte Circular Centers weltweit eingerichtet. Dort werden ausgediente Server und Hardware entweder wiederaufbereitet und intern weitergenutzt, an Dritte verkauft, an Recyclingunternehmen zur Materialrückgewinnung gegeben oder gespendet. Auch Google erwähnt in seinem Umweltbericht 2025 Ansätze zur „Reverse Supply Chain“.
Ausblick auf nachhaltige KI-Praktiken
Diese Initiativen zeigen, dass die Technologiebranche beginnt, die ökologischen Folgen des KI-Booms ernst zu nehmen. Die Entwicklung einer nachhaltigen KI erfordert jedoch weitere Anstrengungen und eine transparente Datenerfassung über den gesamten Lebenszyklus der Hardware.
Thema: Technologie / KI allgemein. Quelle/Inspiration: ZDNet.