Südkoreas führende Halbleiterunternehmen SK Hynix und Samsung schütten aufgrund des anhaltenden Booms im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) hohe Bonuszahlungen an ihre Mitarbeiter aus. Allein bei SK Hynix führte eine Vereinbarung mit der Gewerkschaft im vergangenen Jahr dazu, dass zehn Prozent der operativen Gewinne an die Belegschaft ausgezahlt werden, was in diesem Jahr einen zusätzlichen Betrag von 476.000 US-Dollar pro Mitarbeiter bedeutet. Ein ähnliches Abkommen und eine beträchtliche Pauschalsumme folgten im Mai für Samsung-Mitarbeiter.
Wirtschaftlicher Aufschwung durch KI-Chips
Südkorea ist ein zentraler Akteur im globalen KI-Chip-Wettlauf. Samsung und SK Hynix liefern den Großteil der weltweit benötigten High-Bandwidth Memory (HBM)-Chips. Diese spezialisierten Arbeitsspeicher ermöglichen eine besonders hohe Datenübertragungsrate und werden primär in Hochleistungsprozessoren wie KI-Beschleunigern – meist Graphics Processing Units (GPUs) – eingesetzt, die zum Training von KI-Modellen dienen. Die Nachfrage nach HBM-Chips übersteigt das Angebot, was ihre Preise auf ein beispielloses Niveau treibt und den Unternehmen Rekordgewinne beschert. Im Mai übertrafen beide Unternehmen eine Marktbewertung von einer Billion US-Dollar. Die Chipexporte trugen dazu bei, dass das Bruttoinlandsprodukt Südkoreas im ersten Quartal 2026 um 1,7 Prozent anstieg. Der südkoreanische Hauptaktienindex Kospi hat sich im vergangenen Jahr fast verdreifacht und wurde zum weltweit besten Markt.
Neue Elite und verändertes Dating-Verhalten
Die erheblichen Bonuszahlungen haben die Chip-Mitarbeiter zu den begehrtesten Junggesellen und Junggesellinnen Südkoreas gemacht. Ihre Einkommen liegen nun etwa 20-mal höher als der Landesdurchschnitt. Dies äußert sich in gesteigertem Konsumverhalten, von luxuriösen Möbeln und Elektronik bis hin zu Schmuck und Uhren. Zudem investieren sie in Eigenheime in der Nähe ihrer Arbeitsstätten und nehmen verstärkt Dienste von Partnervermittlungen in Anspruch. Bei der Partnervermittlungsfirma Sunoo stiegen die Job-Ratings für Samsung-Mitarbeiter von 80 auf 84 und für SK Hynix-Mitarbeiter von 78 auf 82, womit sie den traditionell hoch bewerteten Berufen wie Ärzten und Anwälten (über 90 Punkte) näherkommen.
Diese neue finanzielle Sicherheit führt dazu, dass Chip-Mitarbeiter bei der Partnersuche wählerischer werden. Frauen suchen nach Partnern mit höherem Einkommen und besseren Jobs, während Männer jüngere und attraktivere Frauen mit guten Berufen bevorzugen. Eine 40-jährige Ingenieurin bei SK Hynix, die früher dringend heiraten wollte, lehnt nun Männer ab, die sie vor dem Chip-Boom in Betracht gezogen hätte, um sich mehr Zeit für die Suche nach einem passenderen Partner zu nehmen.
Wachsende Bedenken hinsichtlich sozialer Ungleichheit
Während die Chip-Mitarbeiter von den Bonuszahlungen profitieren, wachsen in der südkoreanischen Bevölkerung die Ängste vor einer sich vertiefenden Vermögensungleichheit. Ökonomen warnen, dass diese Disparität soziale Konflikte schüren könnte, wenn der Reichtumsunterschied nicht mehr nur ein Einkommens-, sondern ein Identitätsunterschied wird. Die Bank of Korea warnte, dass der Chip-Boom eine „K-förmige“ Wirtschaft schaffen könnte, in der eine kleine Gruppe von Arbeitnehmern vorprescht, während der Rest zurückfällt. Der Geldsegen fließe hauptsächlich an hohe Einkommen und sickerte kaum in die breitere Wirtschaft. Eine solche Polarisierung könnte die Arbeitsmotivation der Menschen untergraben, indem sie den Weg zum sozialen Aufstieg erschwert.
Mitarbeiter aus anderen Branchen äußern online ihren Frust über die wachsende Kluft. Ein Angestellter des Seouler Bildungsministeriums schrieb anonym auf einer App, dass Boni in Milliardenhöhe seine Arbeitsmotivation zunichtegemacht hätten. Als Reaktion auf diese Entwicklung schlug der präsidiale Politikchef Kim Yong-beom im Mai vor, eine „KI-Dividende“ an die Bürger auszuzahlen, finanziert durch die Besteuerung von KI-Gewinnen.
Thema: Technologie / KI allgemein. Quelle/Inspiration: MIT Technology Review.