Der Hype um Künstliche Intelligenz (KI) erreicht immer neue Höhen, doch nicht jeder blickt unkritisch auf die Entwicklung. Aswath Damodaran, ein angesehener Finanzprofessor der New York University, äußert Bedenken, dass ein möglicher Absturz im KI-Sektor gravierendere Folgen haben könnte als das Platzen der Dotcom-Blase zur Jahrtausendwende. Damals führte eine Überbewertung von Internetunternehmen, die oft nur wenig Substanz aufwiesen, zu einem massiven Markteinbruch.
Risikofaktor: Physische Infrastruktur
Ein wesentlicher Unterschied zur Dotcom-Ära liegt laut Damodaran in der Kapitalintensität der heutigen KI-Branche. Während Internetfirmen vorwiegend auf softwarebasierte Geschäftsmodelle setzten, die vergleichsweise geringe physische Investitionen erforderten, baut die KI-Industrie derzeit gewaltige Mengen an physischer Infrastruktur auf. Dazu gehören riesige Rechenzentren, spezialisierte Hardware wie Grafikprozessoren (GPUs) und komplexe Kühlsysteme. Diese Investitionen sind oft kreditfinanziert, was bedeutet, dass Unternehmen im Falle eines Abschwungs mit hohen Schulden und schwer verwertbaren Vermögenswerten konfrontiert wären. Ein solcher Umstand könnte die wirtschaftlichen Auswirkungen eines Crashs deutlich verschärfen und langfristiger machen als eine reine Software-Korrektur.
Soziale und wirtschaftliche Folgen
Selbst wenn die technologische Entwicklung der KI erfolgreich verläuft, sieht Professor Damodaran ein weiteres Problem im Geschäftsmodell selbst. KI hat das Potenzial, ganze Berufsbilder und Arbeitsplätze zu ersetzen. Dies könnte weitreichende, noch unklare gesellschaftliche Konsequenzen nach sich ziehen. Ein umfassender Arbeitsplatzverlust oder signifikante Verschiebungen am Arbeitsmarkt könnten soziale Unruhen und einen Rückgang der Konsumausgaben zur Folge haben, was die Wirtschaft zusätzlich belasten und einen Abwärtstrend weiter verstärken würde. Die langfristigen Auswirkungen auf die Gesellschaft und die Weltwirtschaft sind in diesem Kontext eine zentrale Sorge.
Thema: Technologie / KI allgemein. Quelle/Inspiration: The Decoder.