KI in Leistungsbeurteilungen: Manager nutzen sie, Mitarbeiter erfahren selten davon

2026-10-10 · kamil

Eine aktuelle Umfrage des Unternehmens Highwire unter 1.034 Firmenangestellten in den USA zeigt, dass Künstliche Intelligenz (KI) zunehmend in den Prozess der Mitarbeiterbeurteilung integriert wird. Demnach haben 78 Prozent der befragten Manager im vergangenen Jahr KI genutzt, um Feedback oder Leistungsbeurteilungen zu entwerfen, zu bearbeiten, zusammenzufassen oder Informationen dafür zu sammeln. Diese Nutzung beschleunigte laut den Managern den Vorbereitungsprozess.

Auffällig ist jedoch ein Mangel an Transparenz gegenüber den Mitarbeitern: Nur 16 Prozent der nicht-managerialen Angestellten gaben an, darüber informiert worden zu sein, dass KI ihre Beurteilung beeinflusst hat. Dies könnte auf Bedenken der Manager zurückzuführen sein, negativ wahrgenommen zu werden, wenn sie den Einsatz von KI offenlegen.

Auswirkungen auf die Qualität des Feedbacks

Die Art und Weise, wie KI eingesetzt wird, variiert stark und beeinflusst die wahrgenommene Qualität des Feedbacks. Während einige Manager KI lediglich zur Formatierung oder Zusammenfassung menschlich erstellter Beobachtungen nutzen, lassen andere KI möglicherweise umfassendere Beurteilungen auf Basis von Leistungsdaten erstellen.

Die Meinungen der Mitarbeiter über die Qualität des Feedbacks sind geteilt: 54 Prozent der Befragten empfanden das Feedback als spezifischer und umsetzbarer. Dem gegenüber standen 34 Prozent, die das Feedback als generischer empfanden, und 32 Prozent, die es als weniger nützlich einstuften. Dass ein Drittel der Mitarbeiter potenziell weniger Nutzen aus ihren Beurteilungen zieht, ist trotz der Mehrheit, die Vorteile sieht, eine relevante Entwicklung.

KI als Trainingspartner für schwierige Gespräche

Die Studie beleuchtet auch eine weitere Anwendung von KI im Arbeitsalltag: Fast jeder vierte Mitarbeiter nutzt mittlerweile KI-Tools, um schwierige Gespräche im Arbeitsumfeld zu proben. Dieser Trend scheint eine Lücke zu füllen, da nur 44 Prozent der Mitarbeiter angaben, Unterstützung von ihren Vorgesetzten beim Üben solcher Situationen zu erhalten, obwohl 85 Prozent die Bedeutung von Übung betonen.

Diese Beobachtung wird durch die Einführung von „Sessions“ durch das KI-Video-Unternehmen Synthesia gestützt. Diese neue Funktion ermöglicht es Mitarbeitern, Gespräche mit KI-Avataren zu üben und eine Einschätzung von einem „KI-Coach“ zu erhalten. Synthesia entwickelte diese Funktion basierend auf dem Feedback von Unternehmenskunden, die den Zugang zu managerialen Trainingsmöglichkeiten erweitern wollten, ohne die Kapazitäten der menschlichen Führungskräfte zu überlasten. Das Unternehmen betont, dass „Sessions“ keine Alternative zu menschlicher Mentorschaft darstellt, aber Trainingslücken schließen kann.

Einordnung der Studienergebnisse

Es ist zu beachten, dass Highwire, das Unternehmen hinter der Umfrage, sich auf menschlich geführte professionelle Weiterbildung spezialisiert, die auf die Entwicklung von Soft Skills abzielt. Die eigenen Unternehmensziele könnten daher die Interpretation der Studienergebnisse beeinflussen, da Highwire die Förderung von „menschlichen Fähigkeiten, die nicht automatisiert werden können“, in den Vordergrund stellt. Dennoch deuten die Ergebnisse zusammen mit der Entwicklung von Tools wie Synthesias „Sessions“ auf eine zunehmende Rolle der Simulation durch KI im beruflichen Lernprozess hin.


Thema: Technologie / KI allgemein. Quelle/Inspiration: ZDNet.

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