Ein aktueller Bericht der Recruiting-Lösungsfirma Employ, die unter anderem Lever, Jobvite und JazzHR betreibt, enthüllt am 14. Oktober, dass Künstliche Intelligenz (KI) die Personalbeschaffung grundlegend verändert. Während KI-Tools in vielen Bereichen die Arbeit erleichtern und den Stress für Personalvermittler seit zwei Jahren in Folge reduzieren, stellen sie gleichzeitig neue Herausforderungen dar. Insbesondere übermäßig perfektionierte Bewerbungsunterlagen, die durch KI erstellt wurden, sind zum größten Stressfaktor avanciert.
KI-Effizienz trifft auf neue Bewerbungsrealität
Der jährliche „2026 Recruiter Nation Report“ von Employ, basierend auf einer im August 2026 von Zogby Analytics durchgeführten landesweiten Umfrage, zeigt, dass 74 Prozent der Personalentscheider im Jahr 2026 von einer erhöhten Einstellungstätigkeit berichten. Gleichzeitig ist der Stress der Personalvermittler gesunken, was maßgeblich auf verbesserte KI-Tools und Einstellungssysteme zurückgeführt wird. 68 Prozent der Personalvermittler nutzen KI in Verbindung mit ihrer Recruiting-Technologie, und 66 Prozent bestätigen, dass dies ihre Arbeit erleichtert hat. Nur noch 36 Prozent empfinden ihre Arbeit als stressiger als im Vorjahr – ein deutlicher Rückgang gegenüber 45 Prozent im Jahr 2025 und 54 Prozent im Jahr 2024.
Doch diese Erleichterung kommt mit einem Preis. Jerry Jao, CEO von Employ, weist darauf hin, dass die einfache Bewerbung per Knopfdruck zwar die Bewerbungszahlen erhöht, aber auch eine große Menge an Kandidaten mit scheinbar gleicher Qualität hervorbringt. „KI lässt jeden gleich oder ähnlich aussehen“, so Jao.
Zunehmende Herausforderung durch „KI-Schliff“ und Betrug
Die Umfrage ergab, dass Bewerber KI nutzen, um ihre Unterlagen zu erstellen und zu verfeinern, was in einigen Fällen sogar zu Fälschungen führt. Mehr als ein Viertel der befragten Organisationen (27 Prozent) meldeten bestätigten KI-gestützten Bewerberbetrug, ein Anstieg von 23 Prozent im Jahr 2025. Die Hälfte der Teams, die Betrug festgestellt oder vermutet haben, schätzt, dass sie über 50 betrügerische Bewerbungen erhalten haben.
Der größte Stressfaktor ist jedoch nicht der offene Betrug, sondern der sogenannte „KI-Schliff“. Dies sind Bewerbungsschreiben und Lebensläufe, die „zu eloquent“ wirken, Aufzählungspunkte, die „merkwürdig pointiert“ sind, und Bewerbungsunterlagen, die „zu gut, um wahr zu sein“ scheinen. Jao beschreibt diese als „so perfekt, dass sie buchstäblich identisch sind.“
- Erstmals in der 19-jährigen Geschichte des „Recruiter Nation Report“ nennen 33 Prozent der Personalvermittler KI-polierte Lebensläufe als ihren größten Stressfaktor.
- Dieser Faktor übertrifft damit den Mangel an qualifizierten Kandidaten, der lange Zeit die größte Sorge war.
Strategische Neuausrichtung und der Wert menschlicher Interaktion
Trotz der Effizienzgewinne durch KI hat sich für weniger als 20 Prozent der Befragten mehr als die Hälfte ihrer Arbeitszeit von administrativen Aufgaben zu höherwertigen Tätigkeiten verlagert. Viele Personalvermittler sind weiterhin für komplexere Aufgaben verantwortlich, die nun das Sichten und Filtern von Bewerbungen einschließen, was die Bewertung der tatsächlichen Fähigkeiten der Kandidaten erschwert.
Organisationen investieren verstärkt in KI-gestützte Rekrutierungstechnologien. Unter den Unternehmen, die ihre Ausgaben erhöhen, priorisieren 40 Prozent die Interviewintelligenz und -bewertung, 33 Prozent die Screening-Fähigkeiten und 31 Prozent die Kandidatenbewertungen und -analysen.
Jerry Jao betont die wachsende Bedeutung menschlicher Interaktion und Entscheidungen im Einstellungsprozess. Einige Unternehmen gehen bereits dazu über, ihre größten Stärken – ihre Mitarbeiter – zu maximieren und sich wieder stärker auf persönliche Begegnungen zu konzentrieren. Dies zeigt sich auch im Bereich des Onboardings:
- 43 Prozent der Unternehmen erwarten nun, die meisten Mitarbeiter vollständig persönlich einzuarbeiten, ein Anstieg von 36 Prozent im Vorjahr.
- Hybrid-Onboarding ist von 55 Prozent auf 40 Prozent gesunken.
Diese Entwicklung wird als wichtiger Schritt gesehen, um KI-bezogenem Online-Betrug und Täuschung bei Bewerbungen entgegenzuwirken und Personalteams dabei zu helfen, Kandidatenpools effektiver zu identifizieren und zu bewerten. Jao rät Personalvermittlern, ihre Prozesslücken zu erkennen, um gezielt Tools und Verbesserungen für 2027 zu finden.
Thema: Technologie / KI allgemein. Quelle/Inspiration: ZDNet.