Das kleine KI-Startup LemonLime, das sich auf die Optimierung bestehender Daten für den Einsatz mit Künstlicher Intelligenz spezialisiert hat, geriet kürzlich in die Schlagzeilen. Grund dafür waren unkonventionelle Rekrutierungsmethoden, die unter anderem das Angebot von Sofortinterviews im Gegenzug für ein Tattoo umfassten. Nach einer Welle der Kritik sah sich CEO Jordan Zietz gezwungen, sich öffentlich zu entschuldigen.
Tattoos als Bewerbungstüröffner
Die umstrittene Aktion fand am 25. Juli im Rahmen einer Afterparty in San Francisco statt, die LemonLime nach einem Event der Y Combinator’s Startup School veranstaltete. Unter dem Motto „Calling All Crazy Builders Afterparty“ zielte das Unternehmen darauf ab, „enthemmte Entwickler“ zu finden. Jordan Zietz bot den Anwesenden an, sich von einem anwesenden Tätowierer stechen zu lassen, um im Gegenzug ein sofortiges Vorstellungsgespräch zu erhalten. Sieben Personen nahmen das Angebot an; einige ließen sich dabei das Firmenlogo von LemonLime tätowieren, während andere eigene Motive wählten.
Die Aktion löste umgehend eine Welle der Empörung in den sozialen Medien aus, die schnell auch traditionelle Nachrichtenagenturen wie das Wall Street Journal erreichte. Am 30. Juli veröffentlichte Zietz eine Entschuldigung. Er räumte ein, dass die Idee, die er ursprünglich für „unterhaltsam und unvergesslich“ hielt, in Wahrheit „rücksichtslos“ gewesen sei und fälschlicherweise den Eindruck erweckt habe, ein permanentes Tattoo sei an eine Jobchance geknüpft. Zietz gestand ein, die durch diese Verbindung geschaffene Druck- und Machtdynamik nicht ausreichend bedacht zu haben. Er betonte, dass Vorstellungsgespräche unabhängig von einem Tattoo für alle Teilnehmer verfügbar gewesen wären und bot an, die Kosten für eine mögliche Tattoo-Entfernung bei nachträglichem Bedauern zu übernehmen.
Anspruchsvolle Arbeitskultur und weitere Gimmicks
Neben dem Tattoo-Stunt ist LemonLime auch für eine intensive Arbeitskultur bekannt. CEO Zietz beschreibt die Mentalität seines Teams als „Grindset“ und erklärte in einem LinkedIn-Post, dass das „gesamte Team sieben Tage die Woche im Büro anwesend“ sei. Bewerber, die freie Wochenenden oder einen Feierabend um 17 Uhr erwarten, würden sich täuschen. Zietz zufolge ziehen sich „über ein Dutzend Bewerber“ zurück, nachdem sie erfahren, dass sie nicht nach 17 Uhr oder am Wochenende arbeiten müssten.
Das Unternehmen legt Wert darauf, „Leute einzustellen, mit denen man befreundet sein möchte“, da das „Verändern der Welt mit Freunden einfacher ist“. Noten spielen dabei keine Rolle; Zietz selbst hatte im ersten Studienjahr einen Notendurchschnitt von 2,3. Ein weiteres unkonventionelles Rekrutierungswerkzeug ist ein unternehmenseigenes Spiel namens „Is it a Lemon or a Lime?“. Ein perfektes Ergebnis von 7/7 Punkten in diesem Spiel verspricht ebenfalls ein Sofortinterview.
Thema: Technologie / KI allgemein. Quelle/Inspiration: Ars Technica.