Mehr als die Hälfte der Unternehmen von KI-Agenten-Vorfällen betroffen

2026-07-17 · kamil

Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen (54 %) hat bereits einen Sicherheitsvorfall mit Künstlicher Intelligenz (KI)-Agenten erlebt oder einen solchen knapp abwenden können. Dies geht aus einer aktuellen Studie von VentureBeat Pulse Research hervor, für die im Juni 2026 107 Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern befragt wurden. Die Untersuchung offenbart eine deutliche Sicherheitslücke im Umgang mit autonomen KI-Agenten, die sich schneller verbreiten als die zugehörigen Identitäts-, Isolations- und Kontrollmechanismen.

Zahl der Sicherheitsvorfälle steigt mit Unternehmensgröße

Die Studie zeigt, dass 18 % der Unternehmen einen bestätigten Sicherheitsvorfall hatten, während 36 % einen Vorfall kurz vor der Schadensentstehung abfangen konnten. Nur 42 % der befragten Organisationen gaben an, bisher keine derartigen Ereignisse verzeichnet zu haben. Die Häufigkeit solcher Vorfälle steigt mit der Unternehmensgröße: In mittelständischen Unternehmen (101 bis 1.000 Mitarbeiter) lag die Rate bei 49 %, während sie in größeren Unternehmen (über 1.000 Mitarbeiter) auf 63 % anstieg.

Gleichzeitig nimmt die Isolation von Hochrisiko-Agenten mit zunehmender Unternehmensgröße ab. Während in mittelständischen Unternehmen 35 % ihre kritischsten KI-Agenten in sogenannten Sandboxes isolieren – einer geschützten Umgebung, die ihre Aktionen auf einen bestimmten Bereich begrenzt –, sank dieser Wert bei größeren Unternehmen auf 20 %.

Das Identitätsproblem bei KI-Agenten

Ein strukturelles Problem, das den Sicherheitsvorfällen zugrunde liegt, ist das Management der Agentenidentitäten. Nur etwa ein Drittel (32 %) der Unternehmen weist jedem KI-Agenten eine eigene, verwaltete Identität zu, die auf seinen spezifischen Aufgabenbereich zugeschnitten ist (sogenannte scoped identity). Die Mehrheit (69 %) der Unternehmen praktiziert stattdessen das Teilen von Zugangsdaten (credential sharing).

  • 48 % der Unternehmen geben an, dass einige Agenten zwar eigene Identitäten haben, viele jedoch Zugangsdaten teilen.
  • Weitere 32 % berichten, dass ihre Agenten überwiegend mit geteilten API-Schlüsseln oder den Zugangsdaten von menschlichen Nutzern oder Dienstkonten arbeiten.

Diese Praxis birgt erhebliche Risiken: Wenn Agenten Zugangsdaten teilen, kann ein kompromittierter oder überprivilegierter Agent weitaus größere Schäden anrichten als beabsichtigt. Zudem erschwert dies die forensische Analyse nach einem Vorfall, da nicht eindeutig nachvollziehbar ist, welcher Agent welche Aktion durchgeführt hat.

Vertrauen in bestehende Sicherungssysteme und geplante Änderungen

Trotz der offensichtlichen Sicherheitslücken zeigen sich Unternehmen erstaunlich zufrieden mit ihren aktuellen Sicherungssystemen. Die überwiegende Mehrheit der eingesetzten Sicherheitslösungen stammt von den großen Modell- und Cloud-Anbietern (sogenannte Hyperscaler) wie OpenAI (51 %), Google und Microsoft oder Anthropic. Die Zufriedenheit mit diesen „geliehenen“ Systemen liegt im Durchschnitt bei 4,2 von 5 Punkten.

Dennoch investieren Unternehmen nur einen geringen Teil ihres Sicherheitsbudgets in die Absicherung von KI-Agenten. Lediglich ein Drittel der Befragten glaubt, dass ihre KI-Sicherheitsmaßnahmen den durch KI-gestützten Angreifern gewachsen sind. Eine klare Mehrheit plant zudem, ihre aktuellen Sicherheitstools innerhalb des nächsten Jahres zu ersetzen oder zu ergänzen. Dies deutet auf eine Diskrepanz zwischen der wahrgenommenen Zufriedenheit und der tatsächlichen Einschätzung der Effektivität der eingesetzten Schutzmechanismen hin.


Thema: OpenAI. Quelle/Inspiration: VentureBeat.

← Zurück zu Aktuelles

Ähnliche Artikel