Die Koalition „We Make Indiana“, bestehend aus rund 25 Gemeinden und Organisationen, kritisiert Microsofts Investitionen in lokale Gemeindedienste im Zusammenhang mit dem Bau und Betrieb von Rechenzentren. Obwohl Microsoft sich öffentlich als „guter Nachbar“ positioniert und von erheblichen Steuervergünstigungen profitiert, wurden einer Gemeinde in Indiana lediglich Einmalzahlungen von bis zu 1 Million US-Dollar für gemeinnützige Zwecke angeboten, was die Gruppe als unzureichend erachtet.
Steuervergünstigungen versus lokale Beiträge
Microsoft bewirbt sich gegenüber Gemeinden als „guter Nachbar“, der lokale Grundsteuern zur Unterstützung von Krankenhäusern, Schulen, Parks und Bibliotheken zahlt und in „vitale Dienstleistungen“ investiert. Das Unternehmen hat bestätigt, dass die bloße Verdoppelung von Mitarbeiter-Spenden – die 2024 insgesamt 229 Millionen US-Dollar an 29.000 gemeinnützige Organisationen umfassten – nicht ausreicht. Konkrete Angaben zu substanzielleren lokalen Investitionen bleiben jedoch vage. Unternehmensvertreter schienen bei Gemeindetreffen oft unvorbereitet, Fragen zu beantworten, die über die Kampagnenmaterialien hinausgingen.
Kritiker weisen darauf hin, dass Microsoft von erheblichen staatlichen Steuervergünstigungen profitiert, die in 38 US-Bundesstaaten oft über ein Jahrzehnt anhalten und sich auf Hunderte Millionen US-Dollar belaufen können. In Georgia führte eine Prüfung zu dem Ergebnis, dass der Staat in einem Jahr 474 Millionen US-Dollar an Umsatzsteuern verlor, während die Rechenzentrumsbranche nur 41 Millionen US-Dollar zurückzahlte. Journalist Ronan Farrow merkte an, dass 70 Prozent der Rechenzentrums-Bauvorhaben laut staatlicher Schätzung ohnehin stattgefunden hätten. In Indiana können Unternehmen wie Microsoft Rechenzentrumsausrüstung ohne die staatliche Umsatzsteuer von 7 Prozent erwerben. Diese Befreiung könnte sich auf bis zu 13,2 Milliarden US-Dollar an geplanten Ausrüstungskäufen beziehen, was dem Staat bis zu 900 Millionen US-Dollar an potenziellen Steuereinnahmen entgehen lässt. Diese Ausnahmeregelung kann bis zu 50 Jahre gelten.
Forderungen nach einem „Fair Share Agreement“
Die Gemeinde um ein 900 Hektar großes Rechenzentrum in Granger, St. Joseph County, Indiana, leidet laut „We Make Indiana“ unter der Verschlechterung wichtiger Dienstleistungen, nachdem der Bundesstaat ein Gesetz zur Grundsteuerersparnis verabschiedet hatte, das die Einnahmemöglichkeiten lokaler Regierungen einschränkte. Die Gruppe versuchte sechs Monate lang, Microsoft auf dringende Bedürfnisse in Bereichen wie Gesundheitsversorgung, Kinderbetreuung, Altenpflege, Transport und bezahlbaren Wohnraum aufmerksam zu machen.
Microsofts Bereitschaft, diese größeren Probleme anzugehen, erwies sich als begrenzt. Die angebotenen Einmalspenden von bis zu 1 Million US-Dollar werden von „We Make Indiana“ als nicht verhältnismäßig zu den Steuereinsparungen und verbesserten Gewinnmargen des Unternehmens durch den Betrieb des Rechenzentrums angesehen. Als Vergleich: Auch Amazon, ein weiterer großer Akteur, bot ähnliche Einmalzuschüsse in Höhe von Hunderttausenden US-Dollar an.
Im Mai unterbreitete „We Make Indiana“ Microsoft einen Vorschlag für ein verbindliches „Fair Share Agreement“. Dieses Abkommen würde Microsoft verpflichten, jährlich einen kleinen Teil seiner Rechenzentrumskosten an den Landkreis zu spenden. Ein unabhängiges Gremium sollte die Auszahlungen aus einem Fonds überwachen, der soziale und ökologische Auswirkungen des auf 1 Milliarde US-Dollar geschätzten Rechenzentrums adressieren soll. Die Gruppe schlug vor, dass Microsoft während der gesamten Lebensdauer des Rechenzentrums, einschließlich der Bauphase, einen fairen Prozentsatz seiner jährlichen Kosten in diesen Fonds einzahlen sollte. Ursprünglich dachte die Gruppe an 1 bis 2 Prozent, was etwa 30 bis 40 Millionen US-Dollar jährlich für Gemeinschaftsprogramme bedeuten könnte. Stattdessen bat sie Microsoft, selbst einen fairen Prozentsatz zu ermitteln. Zusätzlich forderte die Gruppe höhere Umweltstandards, insbesondere in Bezug auf Wasser-/Energieverbrauch, Luftqualität, Nachhaltigkeit und Arbeitnehmerschutz.
Ryan Juskus, ein Leiter von „We Make Indiana“, erklärte, dass solche verbindlichen Zusagen von Microsoft einen erheblichen Unterschied machen und einen hohen Standard für andere Rechenzentrumsbetreiber im Bundesstaat setzen könnten. Er betonte, dass es darum gehe, Microsoft um Hilfe bei Problemen zu bitten, bei denen der Staat die Gemeinden im Stich gelassen habe. Seit der Einreichung des Vorschlags hat Microsoft jedoch keine Stellungnahme abgegeben.
Ähnliche Initiativen gibt es auch auf breiterer Ebene: US-Senator Bernie Sanders (I-Vt.) schlug einen nationalen „Sovereign Wealth Fund“ vor, der KI-Firmen verpflichten würde, bis zu 7 Billionen US-Dollar zum Wohle der Amerikaner zu spenden. Ein engerer Parallelfall ist der „Data Center Fair Share Act“, ein Gesetzentwurf der demokratischen Staatssenatorin Lindsey M. Williams in Pennsylvania. Dieser würde Rechenzentrumsentwickler dazu verpflichten, rechtlich bindende „Community Benefits Agreements“ abzuschließen, die vorsehen, dass mindestens 10 Prozent der Projektgesamtkosten in einen Fonds fließen, der Investitionen in Bereichen wie Personalentwicklung, Umweltverbesserungen, öffentliche Sicherheit, Infrastruktur oder bezahlbaren Wohnraum priorisiert. Ryan Juskus hält 10 Prozent jedoch für „sehr hoch angesetzt“.
Thema: Microsoft. Quelle/Inspiration: Ars Technica.