Neue Karte der Todesfälle an US-mexikanischer Grenze: Untersuchung deckt Lücken auf

2026-09-21 · kamil

Journalisten von MIT Technology Review und Times of San Diego haben in einer 15-monatigen Untersuchung die erste umfassende Karte und Analyse von Todesfällen nahe Überwachungstürmen an der US-mexikanischen Grenze erstellt. Die Recherche, die Fälle bis ins Jahr 2015 zurückverfolgt, entstand aus der Frage, warum so viele Menschen in der Nähe von Überwachungstechnologie sterben, die eigentlich zur Erfassung und Ergreifung gedacht ist.

Hintergrund der Untersuchung

Die US-mexikanische Grenze gilt als eine der tödlichsten Landgrenzen weltweit. Der US-Grenzschutz schätzt, dass seit dem Jahr 2000 über 10.000 Menschen bei Grenzübertritten ums Leben gekommen sind, eine Zahl, die weithin als Unterzählung betrachtet wird. Öffentliche Informationen zu Ort, Zeitpunkt und Identität dieser Verstorbenen sind jedoch oft lückenhaft und inkonsistent. Die gemeinsame Untersuchung, Teil der Serie „Dying on Camera“, beleuchtet das Versagen der Grenzüberwachungstechnologie und die Geschichten der Menschen, die in den Grenzgebieten sterben.

Methodik der Datenerhebung

Um die neue Karte zu erstellen, durchforsteten die Journalisten Tausende Seiten Regierungsdokumente, besuchten die Grenze mehrfach und führten über 45 Interviews. Zu den Gesprächspartnern gehörten aktuelle und ehemalige Berater des Weißen Hauses, Regierungsbeauftragte, Grenzschutzbeamte, Gerichtsmediziner, Sheriffs, humanitäre Helfer sowie Mitarbeiter von Technologieunternehmen. Für die Analyse wurden Fälle berücksichtigt, bei denen drei grundlegende Informationen bestätigt werden konnten: die vermutete Absicht des Grenzübertritts, der Auffindeort der Überreste und der ungefähre Todeszeitpunkt.

Die Forscher kombinierten bestehende Datensätze von Organisationen wie No More Deaths, Humane Borders und der Electronic Frontier Foundation mit neuen Aufzeichnungen, die von über einem Dutzend Behörden selbst beschafft wurden. Die Untersuchung analysierte Fälle seit 2015, um verschiedene Grenzpolitikansätze und Technologien der Überwachungstürme abzudecken.

Herausforderungen in Texas

Texas stellte die größte Lücke in den meisten bestehenden Datenbanken dar. Im Gegensatz zu Arizona gibt es dort keine Initiative zur Online-Bereitstellung von Aufzeichnungen, und anders als in New Mexico obliegt die Bearbeitung von Todesermittlungen den einzelnen Landkreisen. Die Journalisten identifizierten 17 relevante Landkreise in Texas, die von Überwachungstürmen abgedeckt werden.

Anfragen an die lokal gewählten Friedensrichter (Justices of the Peace), die die umfassendsten Informationen zu Todesfällen sammeln, stagnierten oft jahrelang oder lieferten unzureichende Ortsdetails. Daher reichte MIT Technology Review ab Juli 2025 Anfragen bei den Sheriffs dieser 17 Landkreise ein, da diese Behörden oft als Erste am Fundort sind. Die Datensammlung von Sheriffs bedeutet jedoch eine Unterzählung der Todesfälle von Migranten in Texas, da sie keine Fälle von lokaler oder staatlicher Polizei umfasst.

Die Beschaffung der Daten war aufwendig: Fast tägliche Anrufe waren nötig, und einige Landkreise verlangten Gebühren zwischen 300 und 1.300 US-Dollar. Zudem warnten die Behörden, dass Aufzeichnungen unvollständig sein könnten, da viele bei Umzügen verloren gingen oder beschädigt wurden. Ein weiteres Problem war, dass die meisten Behörden nicht erfassen, ob eine Person mutmaßlich bei einem Grenzübertritt starb, was die manuelle Filterung der über 4.000 Seiten umfassenden Polizeiberichte verlangsamte und verteuerte. Letztendlich konnten aus 14 der 17 Landkreise brauchbare Aufzeichnungen gewonnen werden.

Einsatz von Künstlicher Intelligenz

Für die umfangreichen Datensätze aus den Landkreisen Kenedy, Webb und Hidalgo nutzten die Journalisten Anthropic’s Claude, eine Künstliche Intelligenz, um Koordinaten der Fundorte der Überreste zu extrahieren. Die Genauigkeit der KI-Ergebnisse wurde anschließend manuell überprüft. Von Juli 2025 bis Februar 2026 wurden die Daten laufend empfangen. Mehrere hundert Fälle wurden aus der Analyse ausgeschlossen, da sie keine ausreichenden Informationen zum Auffindeort enthielten. Weniger als 100 Fälle mit ungenauen, aber detaillierten Beschreibungen wurden beibehalten, wenn der Ort auf 0,25 Meilen genau bestimmt werden konnte.


Thema: Technologie / KI allgemein. Quelle/Inspiration: MIT Technology Review.

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