Norwegen plant als erstes größeres Land ein temporäres Verbot von KI-Brillen in ausgewählten öffentlichen Bereichen. Die Mitte-Links-Regierung des skandinavischen Landes kündigte am Montag an, dem Parlament bald ein entsprechendes Gesetz vorzulegen. Das Verbot soll Orte wie Parks, Strände, Schulen und Kindergärten betreffen, um Bedenken hinsichtlich der Privatsphäre im Zusammenhang mit tragbarer Technologie zu begegnen.
Digitalisierungsminister Torgeir Micaelsen äußerte sich besorgt über die Einführung leistungsfähiger neuer Technologien, bei denen Menschen riskierten, ohne ihr Wissen fotografiert, gefilmt oder aufgezeichnet zu werden. Ein temporäres Verbot soll Zeit für eine gründliche Bewertung und eine informierte Debatte schaffen, die als Grundlage für eine dauerhafte Regulierung dienen kann. Zu diesem Zweck wird eine Expertengruppe eingesetzt, die Vorschläge für nationale Regeln erarbeiten soll.
Wachsende Bedenken und erste Reaktionen
Regierungen weltweit ringen mit der Regulierung von KI-Brillen, zu denen Modelle von Meta (Facebook-Eigentümer) und günstigere Nachahmergeräte gehören. Hauptsorge ist die Möglichkeit, Personen – einschließlich Kindern und Frauen in Umkleidekabinen – ohne deren Zustimmung zu filmen. Minister Micaelsen betonte, man wolle keine Gesellschaft, in der Menschen sich Sorgen um versteckte Aufnahmen machen müssten, da dies Unsicherheit erzeugen und zu Rückzug führen könne.
Teile der norwegischen Gesellschaft haben bereits eigene Verbote eingeführt. Schulen in der Hauptstadt Oslo sowie Norwegens größtes Unternehmen, der Öl- und Gaskonzern Equinor, haben die Geräte in ihren Büros und Offshore-Anlagen untersagt. Auch international gibt es ähnliche Überlegungen: Australien erwägt ein Verbot von Smart Glasses in bestimmten öffentlichen Räumen, und Gerichte in mehreren Ländern haben angesichts der zunehmenden Nutzung tragbarer Technologie Verbote erlassen.
Potenzial und Schattenseiten der Technologie
Die norwegische Regierung strebt kein vollständiges Verbot an. Sie sieht einen angemessenen Einsatz dort, wo kein Risiko besteht, Menschen ohne deren Zustimmung zu filmen. Die vorgeschlagene Regelung genießt hohe Priorität, und ein Gesetzesentwurf soll bald dem Parlament vorgelegt werden.
US-amerikanische Technologieunternehmen wie Meta, Google und OpenAI sehen in tragbarer Technologie, wie Smart Glasses, das Potenzial, Mobiltelefone als primären Zugangspunkt zur Künstlichen Intelligenz zu ersetzen. Sie gehen davon aus, dass die Interaktion mit einer KI, die Gespräche und das tägliche Leben verfolgt, einfacher sein wird, als eine App zu öffnen und Anfragen einzutippen. Analysten von Counterpoint Research schätzen, dass Verbraucher zwischen 2026 und 2032 über 1 Billion US-Dollar für tragbare Geräte ausgeben werden.
Diese Entwicklung hat jedoch weitreichende Datenschutzbedenken ausgelöst, insbesondere darüber, was solche Smart Glasses sehen oder hören könnten. Kampagnen haben die Geräte deshalb teilweise als „Perversen-Technologie“ bezeichnet.
Thema: Technologie / KI allgemein. Quelle/Inspiration: Ars Technica.