Nvidias nächstes KI-Server-Rack, Kyber NVL144, wird laut der Analysefirma SemiAnalysis um mehr als ein Jahr auf 2028 verschoben. Als Grund werden Probleme bei der Herstellung von Leiterplatten genannt, was zu deutlichen Kurseinbrüchen bei asiatischen Zulieferern führte. Zudem wurde eine leistungsstärkere Variante des Rubin Ultra Chips gestrichen.
Hintergrund der Verzögerung
Die Analysten von SemiAnalysis berichten, dass die Schwierigkeiten insbesondere bei der Produktion der PCB-Midplane liegen. Diese zentrale Leiterplatte, die alle Komponenten eines Systems miteinander verbindet, erweist sich als extrem anspruchsvoll in der fehlerfreien Fertigung. Nvidia-CEO Jensen Huang hatte das Kyber NVL144 System erst drei Monate zuvor auf der GTC-Konferenz vorgestellt.
Weitere Rückschläge und Konkurrenzchancen
Neben der Verschiebung des Kyber NVL144 wurden weitere Pläne angepasst. Ein alternatives Design namens NVL72x2, das zwei Oberon-Racks kombiniert hätte, wurde vollständig eingestellt. Cloud-Anbieter und große Rechenzentrumsbetreiber lehnten dieses ungewöhnliche Format und den hohen Betriebsaufwand ab. Auch die ursprünglich geplante, leistungsstärkere Version des kommenden Rubin Ultra Chips mit vier Recheneinheiten (Compute Dies) wurde gestrichen. Übrig bleibt nur die kleinere Zwei-Die-Version, die etwa die Hälfte der erwarteten Rechenleistung liefert.
Eine wichtige Verbindungstechnologie, der CPO-NVSwitch, der viele Chips zu einem großen System verknüpfen soll, wird erst in der übernächsten Generation namens Feynman verfügbar sein. Dies bedeutet, dass Nvidia derzeit eine bewährte Methode zur Skalierung von Rubin Ultra für sehr große Systeme fehlt. Diese Lücke könnte Konkurrenten wie AMD mit dem MI500X oder Google mit dem TPUv8i Broadfly neue Marktchancen eröffnen. Nvidia plant, den Engpass durch den Verkauf weiterer Oberon-Rubin-Racks im bestehenden Format auszugleichen.
Reaktionen der Märkte
Die Meldung über die Verzögerungen traf einen bereits angespannten Investorenmarkt. Nach Jahren des Wachstums durch den KI-Boom führten selbst kleine Rückschläge zu deutlichen Kursverlusten. Der japanische Leiterplattenhersteller Ibiden, Nvidias größter Kunde, verlor bis zu zehn Prozent an Wert. Kingboard Laminates in Hongkong sank um 18 Prozent, Elite Material in Taiwan um zehn Prozent und Samsung Electro-Mechanics in Südkorea um elf Prozent. Diese Rückgänge folgten massiven Kursanstiegen; Samsung Electro-Mechanics hatte im laufenden Jahr über 600 Prozent zugelegt, Kingboard Laminates über 470 Prozent.
Gary Tan von Allspring Global Investments merkte an, dass die Verzögerung von Kyber nicht zwangsläufig eine Schrumpfung der gesamten KI-Ausgaben bedeutet, sondern eher zeigt, dass Nvidias anspruchsvollstes System länger braucht als erwartet. Shawn Oh von NH Investment & Securities verwies auf wachsende Unsicherheit bezüglich Nvidias Expansionspläne, was alternativen KI-Plattformen mehr Raum im Wettbewerb verschafft.
Thema: Google. Quelle/Inspiration: The Decoder.