Das auf sichere Model Context Protocol (MCP) Gateways spezialisierte Startup Runlayer hat eine Klage gegen das HR-Softwareunternehmen Rippling eingereicht. Runlayer wirft Rippling vor, ein eigenes Produkt entwickelt zu haben, das eine direkte Kopie des Runlayer-Produkts darstellt, nachdem Rippling dieses zuvor als potenzieller Kunde evaluiert hatte.
Umfassende Produktprüfung und Geheimhaltungsvereinbarungen
Laut Klageschrift unterzeichneten beide Parteien eine gegenseitige Geheimhaltungsvereinbarung (NDA) sowie eine Produkt-Testvereinbarung. Letztere untersagte Rippling, geistiges Eigentum von Runlayer zu kopieren oder abgeleitete Werke zu erstellen. Im Rahmen dieser Vereinbarung teilte Runlayer Rippling nicht nur seine Produkt-Roadmap, sondern auch seinen Quellcode mit.
Die Evaluierung durch Rippling umfasste nach Angaben von Runlayer eine „nahezu einjährige intensive technische Zusammenarbeit“. Trotz dieser Bemühungen konnte jedoch keine Einigung über den Preis erzielt werden, woraufhin Runlayer die Produktprüfung beendete.
Vorwürfe der Produktpiraterie
Kurz nach dem Ende der Testphase erhielt Andrew Berman, CEO und Gründer von Runlayer, nach eigenen Angaben eine Textnachricht von einem „Rippling-Insider“. Dieser informierte Berman über ein internes Projekt bei Rippling, das darauf abziele, „im Wesentlichen einen Klon von Runlayer zu bauen … es ist fast eine 1:1-Kopie von Runlayer.“
Runlayer behauptet in seiner Klage, dass Ripplings Produkt auf dem geistigen Eigentum des Startups basieren müsse. Die Vorwürfe umfassen den Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen, unlauteren Wettbewerb und Vertragsbruch.
Ripplings Dementi und Branchenkontext
Rippling hat gegenüber TechCrunch bestätigt, ein eigenes MCP-Gateway auf den Markt zu bringen. Ein Sprecher des Unternehmens bestreitet jedoch die Behauptungen von Runlayer bezüglich der missbräuchlichen Verwendung ihres geistigen Eigentums. Rippling bezeichnet die Klage als „panischen Versuch von Runlayer, den Wettbewerb zu vermeiden“, und betont, ein überlegenes Produkt ausschließlich mit eigenen proprietären Informationen zu entwickeln.
MCP-Gateways ermöglichen KI-Modellen und -Agenten einen sicheren Zugriff auf externe Daten und Tools. Dieses Segment des KI-Infrastrukturmarktes gilt als zunehmend umkämpft. So hat beispielsweise Anthropic im November 2024 MCP als Open-Source-Protokoll eingeführt. Runlayer selbst wurde Mitte letzten Jahres gegründet und konnte seitdem insgesamt 42 Millionen US-Dollar von Investoren wie Khosla Ventures und Felicis einwerben.
Der Fall beleuchtet die Herausforderungen beim Vertrieb komplexer KI-Infrastruktur an Großunternehmen, insbesondere an andere Technologieunternehmen. Solche Enterprise-Vertriebsprozesse sind oft langwierig und beinhalten umfangreiche Praxistests, wobei das Risiko besteht, dass potenzielle Kunden die bewertete Technologie letztendlich selbst entwickeln.
Thema: Technologie / KI allgemein. Quelle/Inspiration: TechCrunch.