Der Softwaregigant Salesforce hat einen bedeutenden Schritt in der Entwicklung seiner Kollaborationsplattform Slack unternommen: Der bekannte Slackbot wurde von Grund auf neu konzipiert. Was einst ein einfacher Benachrichtigungsdienst war, präsentiert sich nun als vollwertiger KI-Agent, der in der Lage ist, komplexe Aufgaben zu bewältigen und die Arbeitsweise in Unternehmen grundlegend zu verändern. Mit dieser Neuerung positioniert sich Salesforce aggressiv im Wettbewerb um die Vorherrschaft bei KI-gestützten Arbeitsplatzlösungen, insbesondere gegenüber Konkurrenten wie Microsoft und Google.
Vom einfachen Helfer zum intelligenten Assistenten
Die Transformation des Slackbots ist tiefgreifend. Parker Harris, Mitbegründer von Salesforce und CTO von Slack, vergleicht den alten Slackbot mit einem „Dreirad“ und die neue Version mit einem „Porsche“. Der ursprüngliche Slackbot führte lediglich grundlegende algorithmische Aufgaben aus, wie das Erinnern an das Hinzufügen von Kollegen zu Dokumenten oder einfache Benachrichtigungen. Der neue Slackbot hingegen basiert auf einer völlig anderen Architektur, die ein Large Language Model (LLM) – ein großes Sprachmodell, das menschenähnliche Texte verstehen und generieren kann – sowie hochentwickelte Suchfunktionen nutzt. Dadurch kann er auf eine Vielzahl von Datenquellen zugreifen, darunter Salesforce-Datensätze, Google Drive-Dateien, Kalenderdaten und jahrelange Slack-Konversationen. Er ist damit ein zentraler Bestandteil der aufkommenden „Agentic AI“-Bewegung, bei der Software-Agenten Hand in Hand mit Menschen arbeiten, um komplexe Aufgaben zu erledigen.
Technologie und Datenschutz im Fokus
Anfangs wird der neue Slackbot von Claude, einem LLM des KI-Unternehmens Anthropic, angetrieben. Diese Wahl war unter anderem durch Compliance-Anforderungen motiviert, da Slack für US-Regierungskunden eine spezielle Zertifizierung (FedRAMP Moderate) benötigt. Salesforce plant jedoch, die Unterstützung für weitere Anbieter noch in diesem Jahr auszuweiten, darunter Googles Gemini und möglicherweise auch OpenAI. Harris teilt die Ansicht, dass LLMs zunehmend zu einer Art „Rohstoff“ oder „CPU“ werden, was die strategische Flexibilität bei der Wahl der zugrunde liegenden Modelle unterstreicht.
Ein besonders wichtiger Aspekt ist der Datenschutz. Salesforce betont, dass keine Kundenmodelle mit Kundendaten trainiert werden. Dies ist entscheidend, um die Vertraulichkeit von Unternehmensinformationen zu gewährleisten und sicherzustellen, dass sensible Daten nicht unbeabsichtigt in die KI-Modelle einfließen und dort für Dritte zugänglich werden.
Beeindruckende interne Akzeptanz und Produktivitätssteigerung
Salesforce hat den neuen Slackbot bereits monatelang intern mit allen 80.000 Mitarbeitern getestet. Die Ergebnisse sind bemerkenswert: Es ist das am schnellsten angenommene Produkt in der Geschichte von Salesforce. Zwei Drittel der Mitarbeiter haben den neuen Slackbot ausprobiert, und 80% davon nutzen ihn regelmäßig. Die interne Zufriedenheitsrate liegt bei beeindruckenden 96%. Mitarbeiter berichten von einer wöchentlichen Zeitersparnis von zwei bis 20 Stunden. Die Akzeptanz erfolgte weitgehend organisch, angetrieben durch den Austausch von Tipps und Prompts (Anweisungen für die KI) unter den Mitarbeitern.
Vielseitige Einsatzmöglichkeiten im Arbeitsalltag
In einer Produktdemonstration wurde gezeigt, wie der Slackbot Informationen aus verschiedenen Quellen synthetisieren kann. Er kann beispielsweise Kundenfeedback aus einem Pilotprogramm analysieren, ein Bild eines Nutzungs-Dashboards interpretieren und qualitative mit quantitativen Daten korrelieren. Darüber hinaus kann der Slackbot Salesforce-Datensätze abfragen, um potenzielle Kandidaten für ein Early-Access-Programm zu identifizieren, detaillierte Begründungen und Pläne erstellen und all diese Informationen in einem Slack Canvas – einem kollaborativen Dokumentenformat – zusammenfassen. Sogar die Terminfindung mit relevanten Stakeholdern kann der neue Slackbot übernehmen, was die Effizienz in der Entscheidungsfindung und Projektplanung erheblich steigert.
Thema: OpenAI. Quelle/Inspiration: VentureBeat.