Scheitern von KI-Projekten: Hohe Abbruchquote bei Startups und Tech-Riesen

2026-10-25 · kamil

Die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI) ist von einer hohen Abbruchquote geprägt. Laut S&P Global Market Intelligence werden etwa 42 Prozent aller KI-Initiativen von ihren Mutterkonzernen wieder eingestellt. Die Gründe hierfür sind vielfältig und reichen von unzureichender Finanzierung über technische Herausforderungen und intensiven Wettbewerb bis hin zu Schwierigkeiten bei der Skalierung und geringer Nutzernachfrage. Dieses Phänomen betrifft nicht nur Start-ups, sondern auch etablierte Tech-Giganten.

Gescheiterte Start-ups und Produkte

Ein Beispiel für ein gescheitertes Start-up ist Relay, ein KI-gestütztes Tool zur Workflow-Automatisierung, das im August eingestellt wurde. Relay ermöglichte die Automatisierung von E-Mail- und Aufgaben-Workflows mittels KI-Agenten. Da jedoch größere Plattformen wie OpenAI und Google ähnliche Automatisierungsfunktionen direkt in ihre eigenen Tools integrierten, verlor Relay seine Existenzberechtigung als eigenständiges Produkt. Auch die Chatbot-Plattform Character.ai meldete nur fünf Jahre nach ihrer Gründung Insolvenz an.

Herausforderungen bei großen Technologieunternehmen

Selbst Branchengrößen wie OpenAI sind von Rückschlägen nicht verschont geblieben. Ein Versuch, ChatGPT in eine umfassendere „Super-App“ zu verwandeln, stieß auf Kritik. Das im Juli 2024 eingeführte Redesign, das verschiedene Modi wie „Chat“, „Codex“ und „Work“ zusammenführte, wurde von Nutzern als verwirrend und überladen empfunden und kurz darauf wieder rückgängig gemacht. Erfolgreicher war die Strategie, eigenständige Apps einzustellen und deren Funktionen direkt in ChatGPT zu integrieren. So wurde der eigenständige KI-gestützte Webbrowser ChatGPT Atlas nach weniger als einem Jahr, am 9. August, eingestellt und seine nützlichsten Funktionen in ChatGPT überführt. Ähnlich verfuhr das Unternehmen mit Operator, einem KI-Agenten, der das Web durchsuchen und Aufgaben im Auftrag eines Benutzers erledigen konnte. Auch die Rolle von DALL-E als eigenständiges Tool zur Bilderzeugung schrumpft, da die Bildgenerierung zunehmend direkt in ChatGPT integriert wird. Die Video-Sharing-Plattform Sora wurde im März 2026 aufgrund hoher Betriebskosten und Problemen bei der Nutzerbindung eingestellt.

Apple sah sich ebenfalls mit Verzögerungen bei der Integration von KI in seine Produkte konfrontiert. Die verbesserte Siri-KI, die im Rahmen von Apple Intelligence im Jahr 2024 angekündigt wurde, erfuhr wiederholte Verschiebungen aufgrund technischer Probleme. Diese Verzögerungen trugen zu einer Vergleichszahlung von 250 Millionen US-Dollar wegen Marketingaussagen zu den KI-Fähigkeiten des iPhone 16 bei. Die neue KI-gestützte Siri erschien schließlich im Juli in der iOS 27 Beta und wird diesen Monat zunächst englischsprachigen Nutzern zur Verfügung gestellt.

Microsofts „Recall“-Funktion, angekündigt auf der Build-Entwicklerkonferenz 2024, versprach ein KI-gestütztes „fotografisches Gedächtnis“ für Windows-PCs. Die Funktion, die regelmäßig Screenshots des Nutzerverhaltens erstellen sollte, löste jedoch sofort Bedenken hinsichtlich Datenschutz und Sicherheit aus. Microsoft verzögerte die Einführung um fast ein Jahr, um Sicherheits- und Datenschutzmaßnahmen zu überarbeiten. Trotz eines Redesigns bestehen die Kontroversen fort, nachdem ein Cybersicherheitsforscher ein Tool entwickelte, das von Recall erfasste Daten extrahieren und anzeigen konnte.

Weitere gescheiterte KI-Produkte und Hardware

Notion Mail, ein im April 2025 eingeführtes E-Mail-Produkt mit KI-Fokus, wird am 22. September eingestellt. Der Grund: Nutzer bevorzugten separate KI-Agenten zur Verwaltung ihrer E-Mail-Postfächer.

Im Bereich der KI-Hardware gab es ebenfalls prominente Misserfolge. Der Humane AI Pin, der 230 Millionen US-Dollar an Investitionen anzog, kämpfte mit Leistungsproblemen und einer Warnung vor Brandgefahr des Ladegehäuses. Das Geschäft wurde im Februar 2025 eingestellt und die meisten Vermögenswerte von HP für 116 Millionen US-Dollar erworben. Auch der Rabbit R1, ein KI-Begleiter, der im Januar 2024 auf der CES vorgestellt wurde und kurz nach dem Start 100.000 Einheiten verkaufte, wurde in frühen Tests als unfertig und unzuverlässig beschrieben. Das Unternehmen arbeitet jedoch weiterhin an Updates.

Andere Projekte wie die KI-Audio-App Huxe (eingestellt Mai 2026) und die KI-Modell-Vergleichsplattform Yupp (eingestellt März 2026 mangels Product-Market-Fit) konnten sich ebenfalls nicht dauerhaft etablieren. Auch Figgs AI, eine Plattform für anpassbare KI-Charaktere, die von 2023 bis 2024 betrieben wurde, gehört zu den eingestellten Projekten.


Thema: OpenAI. Quelle/Inspiration: TechCrunch.

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