Der Softwareentwickler Brandon Thomas hat eine Reihe von sieben quelloffenen Anwendungen vorgestellt, die darauf abzielen, die Benutzeroberfläche und die Funktionalität von Adobe Creative Cloud-Programmen nachzubilden. Für die Entwicklung dieser „Clean-Room-Replacements“ nutzte Thomas Künstliche Intelligenz (KI), insbesondere Anthropic’s Claude Opus 5.5, und programmierte sie in Rust, wobei auch WebAssembly-Versionen für die Nutzung im Browser verfügbar sind.
Die neuen Anwendungen, die unter dem Dach von Artcraft debütierten, sollen Funktionen und Oberflächen von Adobe Photoshop, Illustrator, Premiere, Lightroom, After Effects, InDesign und Acrobat Pro nachbilden. Artcraft begann ursprünglich als eine „kontrollierbare KI für Künstler“, die präzise Nachbearbeitung von KI-generierten Bildern und Videos ermöglichte.
Ambitionierte Ziele und Finanzierung
Die Software befindet sich laut Thomas in einem „Super Early Alpha“-Stadium. Er kündigte auf Reddit an, dass in einem Monat eine „100%ige Feature-Parität“ erreicht werden soll. Wenige Tage später präzisierte er auf Hacker News, dass „99% Parität eine Weile dauern wird, aber ich bin sicher, es wird in Monaten und nicht in Jahren gemessen.“ Thomas, der nach eigenen Angaben etwa zehn Jahre Erfahrung mit großen Rust-Projekten hat, wurde durch wiederholte „Dark Pattern“-Stornierungsgebühren von Adobe zur Entwicklung inspiriert.
Die Finanzierung der vollständig kostenlosen Anwendungen, die unter MIT/Apache-Lizenzen angeboten werden, soll durch den Verkauf von Token-basiertem Zugang zum bestehenden Artcraft Visual AI-Modell und der IDE erfolgen. Dieses Modell wird als Option zur Bilderzeugung innerhalb der neuen Apps neben Modellen Dritter angeboten. Thomas betonte, dass dieser Einnahmestrom sicherstellen werde, dass die Apps kein „verwaistes Kleinteam-Projekt“ würden, da sein Team bereits populäre Software für Filmemacher entwickelt.
Rechtliche Aspekte und weitreichende Vision
Die Nutzung von KI-Tools zur Beschleunigung des Reverse Engineering, also der Nachbildung der Funktionalität einer Software ohne direkten Code-Kopie, ist eine langjährige Praxis. Während Reverse Engineering im Allgemeinen als rechtlich zulässig gilt, könnten die Artcraft-Apps dennoch rechtlichen Problemen begegnen, falls ihr „Trade Dress“ – das Erscheinungsbild und die Benutzeroberfläche – zu stark dem vertrauten Design von Adobe ähnelt.
Thomas, der seit Februar ausschließlich mit KI-Tools programmiert, sieht eine nahe Zukunft, in der alltägliche Entwickler quelloffene Versionen populärer kostenpflichtiger Software neu erstellen können. Seine Vision geht dahin, das Internet „zurückzuerobern“ und die Technologiewelt zu „ent-scheißen“. Er proklamierte: „Software ist vorbei“ und behauptete, „Photoshop in einem Rutsch erledigt zu haben. Das Ganze.“
Thema: Adobe. Quelle/Inspiration: Ars Technica.