Das Startup June ist am Montag mit einer Pre-Seed-Finanzierungsrunde von 20 Millionen US-Dollar aus der Geheimhaltung hervorgegangen. Ziel des Unternehmens ist es, die Einführung von Künstlicher Intelligenz (KI) in großen Unternehmen zu vereinfachen. Die Finanzierungsrunde wurde von Marc Benioffs Time Ventures angeführt, mit zusätzlicher Unterstützung von prominenten Technologie-Investoren wie Michael Dell, Aaron Levie und George Kurtz. Eine Unternehmensbewertung wurde nicht bekannt gegeben.
Das Problem der KI-Implementierung
Die zuverlässige Integration von KI-Tools in bestehende Unternehmensstrukturen stellt für viele große Firmen eine erhebliche Herausforderung dar. Dies hat zur Entstehung neuer Organisationen von sogenannten Forward-Deployed Engineers (FDEs) geführt – Spezialisten, die vor Ort in Unternehmen eingesetzt werden, um KI-Systeme zu implementieren und betriebsbereit zu machen.
Efrat Rapoport, eine ehemalige Salesforce-Managerin und Mitgründerin von June, beschreibt die aktuelle Situation paradox: „KI erhöht paradoxerweise die Nachfrage nach professionellen Dienstleistungen.“ Sie ergänzt, dass die Antwort der Branche auf die KI-Implementierung bisher darin bestand, immer mehr Personal einzustellen.
Die Schwierigkeiten entstehen oft durch fragmentierte Daten über verschiedene Plattformen wie Salesforce, ServiceNow, Databricks oder Workday, komplexe Arbeitsabläufe und jahrelange technische Altlasten. Rapoport betont, dass das Erstellen eines KI-Agenten zwar relativ einfach sei, die eigentliche Herausforderung jedoch darin liege, diesen mit der darunterliegenden, oft unübersichtlichen Infrastruktur zu verbinden. „Wie weiß ein Agent, wie er zu operieren hat, wenn man zehn doppelte Datenbankfelder hat, die dasselbe besagen, und verschiedene Teams sie nutzen?“, fragt sie.
Junes Ansatz zur Vereinfachung
June bietet eine Plattform an, die bestehende Unternehmenssysteme scannt, um Geschäftsprozesse zu verstehen, Engpässe zu identifizieren und anschließend optimierte, agentenbasierte Prozesse zu entwickeln. Diese neuen Prozesse können alte ersetzen und Teams automatisch über die Kommunikationskanäle des Unternehmens benachrichtigen.
„Wir liefern Ihnen die vollständige Roadmap automatisch, was Schritt für Schritt geschehen muss, damit Sie diesen Agenten in einer Unternehmensumgebung, die oft sehr komplex ist, erfolgreich implementieren können“, erklärt Rapoport. Die Plattform bietet eine detaillierte Anleitung, beispielsweise welche Duplikate entfernt oder welche Datenquellen verbunden werden müssen. Durch das Klicken auf „Erstellen“ bei jeder Aufgabe beginnt June dann mit der Implementierung im Unternehmen.
Erfahrung der Gründer und Investorenvertrauen
Die vier Gründer von June – Efrat Rapoport, Ohad Hen, Barak Goldstein und Idan Tsitiat – verfügen über umfassende Erfahrung im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Zuvor gründeten sie Bonobo AI, ein Unternehmen für Sprachmodelle, das 2017 einen Voice-to-Text-Dienst einführte. Bonobo AI wurde zwei Jahre später von Salesforce übernommen. Das Team arbeitete danach mehrere Jahre an den KI-Initiativen des Technologieriesen, bevor es sich erneut selbstständig machte. Die Beobachtung, wie Kunden Schwierigkeiten hatten, KI in ihre bestehenden Plattformen zu integrieren, motivierte sie zu diesem Schritt.
Das Vertrauen der Investoren in das Potenzial von June war so groß, dass die Gründer für diese Finanzierungsrunde nicht einmal ein Präsentationsdeck benötigten, wie Rapoport berichtet.
Praxisbeispiel: CMG und die Integration von Claude Code
Paul Akinmade, Chief Strategy Officer beim US-Hypothekengeber CMG, berichtet von den Herausforderungen bei der Integration von Claude Code, einem Sprachmodell, in Salesforce. Obwohl sein Team die Softwareentwicklung schnell umgestellt hatte, stieß es bei der Integration auf erhebliche Probleme. Wochenlange Bemühungen mit Architekten und FDEs brachten keinen Fortschritt.
June veränderte diese Situation, indem es Akinmades Team eine klare Übersicht über die Einsatzmöglichkeiten von Agenten verschaffte und eine sichere Implementierung ermöglichte, noch vor dem offiziellen Startgespräch zwischen den Unternehmen. Akinmade betonte, dass er ein Produkt wollte, das keine FDEs erfordert und einfach zu bedienen ist, da er von früheren Erfahrungen genervt war und keine „Black Box“ wünschte.
Rapoport sieht June als Ergänzung zu FDEs und Beratern. Für Kunden wie Akinmade könnte die Plattform jedoch gerade deshalb attraktiv sein, weil sie die Notwendigkeit externer Spezialisten reduziert oder ganz vermeidet.
Thema: Technologie / KI allgemein. Quelle/Inspiration: TechCrunch.