Tech-Umschulung: Unternehmen müssen nun selbst aktiv werden

2026-07-12 · kamil

Das Programm Code Louisville, das über ein Jahrzehnt lang Tausende von Menschen in Technologiejobs vermittelte, wird im August eingestellt. Ursprünglich vor 13 Jahren von Rider Rodriguez gegründet und durch die Stadtverwaltung von Louisville sowie Zuschüsse finanziert, bot Code Louisville kostenlose, sechsmonatige Kurse in Bereichen wie Webentwicklung, Softwareentwicklung und UX-Design an. Ziel war es, die lokale Tech-Talentbasis zu erweitern und die Wirtschaft der Region zu stärken.

Wandel im Tech-Arbeitsmarkt

Auf dem Höhepunkt durchliefen Kohorten von bis zu 300 Studenten das Programm, und etwa 1.400 von ihnen fanden eine Anstellung. Das Programm, das später als Code:You landesweit expandierte, schließt nun jedoch, nicht wie ursprünglich von Rodriguez erwartet, weil Tech-Fähigkeiten alltäglich geworden sind, sondern wegen eines Rückgangs der Jobvermittlung. Brian Luerman, Programmdirektor von Code:You, erklärte, es habe keinen Mangel an Interessenten für die Ausbildung gegeben, sondern die verfügbaren Einstiegspositionen in diesem Bereich seien zurückgegangen.

Diese Entwicklung verdeutlicht den schnellen Wandel im Bedarf an Tech-Talenten und die Notwendigkeit für Unternehmen und Arbeitnehmer, ihre Umschulungsbemühungen neu zu bewerten. Die Joblandschaft ist zunehmend unvorhersehbar. Während das Forschungsunternehmen Forrester schätzt, dass KI bis 2030 etwa 6 % der Arbeitsplätze ersetzen wird, prognostiziert das Weltwirtschaftsforum, dass KI mehr Arbeitsplätze schaffen als vernichten könnte, vorausgesetzt, Unternehmen investieren in ihre Mitarbeiter.

Verantwortung für Weiterbildung verlagert sich

Vor etwa einem Jahrzehnt schien die Zukunft der Tech-Jobs gesichert. Die Obama-Regierung startete 2015 die TechHire-Initiative, um bis 2020 eine prognostizierte halbe Million offener IT-Stellen zu besetzen. Damals wurde der Einstieg in die Mittelklasse durch Tech-Jobs als nahezu sichere Garantie betrachtet.

Heute liegt die Last der Weiterbildung zunehmend bei den Unternehmen. Ein Bericht des Weltwirtschaftsforums zeigt, dass 77 % der Arbeitgeber weltweit planen, ihre Mitarbeiter weiterzubilden. Laut Deloitte sind unzureichende Mitarbeiterkenntnisse das größte Hindernis für die Integration von KI in Arbeitsabläufe, wobei Bildung als Hauptansatz zur Behebung dieses Problems genannt wird.

Darrell West vom Brookings Institution spricht von „aufgeklärten Unternehmen“, die ihre bestehenden Belegschaften umschulen, um mit neuen Realitäten wie KI-gestützten Arbeitsabläufen umzugehen. Julie Bedard von der Boston Consulting Group betont, dass es beim Reskilling nicht nur um das Vermitteln spezifischer Fähigkeiten geht, sondern um die Fähigkeit zur Anpassung, da sich diese Fähigkeiten schnell ändern können. Viele Unternehmen haben jedoch kein klares Verständnis ihres aktuellen oder zukünftigen Talentbedarfs, was ein großes Hindernis darstellt, da die KI-Transformation auch eine Transformation der Belegschaft ist.

Beispiele aus der Praxis

  • Der CEO von Accenture kündigte an, Mitarbeiter zu entlassen, die nicht für den Einsatz von KI umgeschult werden können, und erwähnte, dass das Unternehmen bereits über eine halbe Million Mitarbeiter weitergebildet hat.
  • Verizon richtete nach 13.000 Entlassungen einen Umschulungsfonds von 20 Millionen US-Dollar für „ausscheidende“ Mitarbeiter ein, der Zertifizierungen, digitale Fähigkeiten und Karriere-Coaching bietet.

Trotz dieser Bemühungen bedeutet Umschulung innerhalb von Unternehmen nicht unbedingt einen Schutz vor Entlassungen. Der Bericht des Weltwirtschaftsforums stellte fest, dass 41 % der Arbeitgeber aufgrund von KI planen, ihre Belegschaft zu verkleinern. Eine Umfrage des Graduate Management Admission Council ergab zudem, dass ein Drittel der Arbeitgeber bereits einige Einstiegspositionen durch KI ersetzt hat.


Thema: Technologie / KI allgemein. Quelle/Inspiration: ZDNet.

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