Gouverneur Greg Abbott hat am 3. August ein Moratorium für alle neuen Stromnetzanschlüsse von Rechenzentren in Texas angeordnet. Dieser Schritt erfolgt weniger als ein Jahr, nachdem er Texas zum „Epizentrum der KI-Entwicklung“ erklärt hatte. Die Anordnung gilt, bis Entwickler umfassendere Informationen über die potenziellen Auswirkungen ihrer Projekte auf das Stromnetz und die Gemeinden bereitstellen.
Hintergrund der Entscheidung
Texas hat den Ausbau von Rechenzentren aggressiv gefördert, indem es günstige Grundstücke, relativ reichlich Energiequellen, staatliche Anreize wie Steuererleichterungen und weniger Vorschriften bot. Dies sollte den Staat dazu bringen, Virginia als größten US-Rechenzentrumsmarkt zu übertreffen. Der jüngste KI-Boom und die damit verbundene rasante Entwicklung von Rechenzentren drohen jedoch, das texanische Stromnetz zu überlasten, obwohl der Staat landesweit führend beim Zubau neuer Stromerzeugungskapazitäten ist.
Die Warteschlange des Electric Reliability Council of Texas (ERCOT), dem unabhängigen Systembetreiber des Stromnetzes in Texas, umfasst derzeit über 1.800 Projekte mit Anfragen für mehr als 474 Gigawatt (GW) Anschlussleistung. Dies übersteigt den bisherigen Rekordbedarf an Elektrizität in Texas um mehr als das Fünffache, und etwa 90 Prozent dieser Anfragen stammen von Rechenzentren. Laut Abbotts Büro könnte dieses „beispiellose Lastwachstum die Zuverlässigkeit und Stabilität des texanischen Stromnetzes gefährden“. ERCOT prognostiziert, dass die Nachfrage durch Rechenzentren und andere Faktoren den landesweiten Strombedarf bis 2032 verdoppeln könnte.
Finanzielle und ökologische Auswirkungen
Die Steuererleichterungen für Rechenzentren, die ursprünglich 2014 parteiübergreifend verabschiedet wurden, sind auf über 1 Milliarde US-Dollar jährlich angewachsen. Die Staatsregierung schätzt, dass sie in den nächsten zwei Jahren 3,2 Milliarden US-Dollar an Umsatzsteuereinnahmen verlieren könnte. Abbotts Anweisung fordert Audits von Rechenzentrumsprojekten, die Details zur Abhängigkeit vom ERCOT-Netz, Prognosen zum jährlichen und Spitzenstromverbrauch sowie Informationen zur staatlichen Finanzhilfe und den Eigentumsverhältnissen umfassen.
Zudem sollen die Auswirkungen der Kühlsysteme und des Wasserverbrauchs von Rechenzentren auf die lokalen Wasserreserven der Gemeinden untersucht werden. Kritiker weisen darauf hin, dass die Direktive nicht erwähnt, dass Rechenzentren oft durch ihre Stromerzeugungsquellen erheblich mehr Wasser verbrauchen als direkt durch ihre Kühlsysteme. Zum Vergleich: Texanische Erdgaskraftwerke nutzten 2024 56 Milliarden Gallonen Wasser, Kohlekraftwerke 34 Milliarden Gallonen und Kernkraftwerke 26 Milliarden Gallonen, während Rechenzentren direkt 8 Milliarden Gallonen für Kühlzwecke verwendeten. Der Staat leidet seit Jahren unter Dürre.
Die Anweisung zielt auch darauf ab, Maßnahmen zur Reduzierung von Auswirkungen auf Anwohner und Gemeinden zu prüfen, darunter Lärmminderung, Lichtkontrollen, Abstände, Verkehrsverbesserungen und Notfallkoordination. Lokale Luftverschmutzung und Treibhausgasemissionen werden jedoch in der Direktive nicht explizit erwähnt. Berichte zeigen, dass KI-Unternehmen Genehmigungslücken nutzten, um gasbefeuerte Turbinen und Dieselgeneratoren auf ihren Rechenzentrumscampus ohne umfassende Umweltprüfungen zu installieren.
Ausnahmen und alternative Energieversorgung
Der Stopp der Netzanschlüsse gilt nicht für Rechenzentrumsprojekte, die ihre eigene Stromerzeugung vor Ort aufbauen, eine Strategie, die als „Behind-the-Meter Power“ bekannt ist. Diese Praxis wird bei Tech- und KI-Unternehmen wie Meta, Microsoft und Amazon immer häufiger angewendet. Solche On-Site-Stromerzeugung basiert typischerweise auf Erdgas, wobei aufgrund langer Lieferzeiten für Gasturbinen auch mobile Gasgeneratoren oder aeroderivative Turbinen zum Einsatz kommen.
Texas führt alle US-Bundesstaaten bei der angekündigten Behind-the-Meter-Kapazität für Rechenzentren mit 40 GW an. Dies wird durch die Gasversorgung des Permian Basin, eine umfangreiche Pipeline-Infrastruktur und das permissive Regulierungsumfeld des Staates begünstigt.
Politische Reaktionen und Konsequenzen
Die Anordnung stellt eine erhebliche Hürde für ERCOT dar, das Rechenzentren in Gruppen an das Netz anschließen wollte. Die Benachrichtigungen für die erste Gruppe, „Batch Zero“ genannt, sollten ursprünglich Ende dieser Woche erfolgen, wurden aber auf unbestimmte Zeit verschoben. Der Kurswechsel von Gouverneur Abbott erfolgt zu einer Zeit, in der seine Unterstützung aufgrund von Bedenken hinsichtlich Rechenzentren und Hochspannungsleitungen in ländlichen Gebieten nachgelassen hat. Umfragen zeigen eine generelle Ablehnung von Rechenzentren in Gemeinden unter texanischen Wählern.
Thema: Technologie / KI allgemein. Quelle/Inspiration: Ars Technica.