Die Trump-Administration erwägt Berichten zufolge eine Reihe von Maßnahmen, die darauf abzielen, die Verbreitung chinesischer KI-Modelle in den USA einzudämmen. Anstatt eines direkten Verbots könnten diese Bestrebungen auf „sanfte“ Regeln setzen, um die Akzeptanz chinesischer KI-Lösungen zu erschweren und gleichzeitig die Marktpositionen von US-Unternehmen wie OpenAI, Google und Anthropic zu sichern.
Geplante Maßnahmen und Hintergründe
Laut Axios haben das Handelsministerium, die NSA und das Weiße Haus seit 2025 verschiedene Optionen geprüft. Dazu gehören die Aufnahme chinesischer KI-Labore in Sanktionslisten, die Verhängung von Sicherheitswarnungen sowie die Nutzung einer präsidialen Anordnung, um Sicherheitsanforderungen und Haftpflicht für US-Unternehmen festzulegen, die chinesische Modelle hosten. Das Handelsministerium soll bereits im Sommer 2025 Regeln zum Schutz heimischer Lieferketten vor chinesischen Open-Source-Modellen entworfen haben. Diese Bemühungen wurden zunächst von Beratern blockiert, die einen leichteren Regulierungsansatz bevorzugten. Die Veröffentlichung des chinesischen Kimi K3-Modells und personelle Veränderungen im Weißen Haus haben jedoch den Befürwortern strengerer Beschränkungen wieder Einfluss verschafft.
Eine Quelle aus Regierungskreisen erklärte gegenüber Axios, dass ein direkter Bann nicht notwendig sei. Stattdessen werde ein langsamerer, aber nachhaltigerer Ansatz verfolgt, der Beschaffungsregeln, Sanktionsdrohungen und öffentliche Druckkampagnen gegen US-Unternehmen umfasse, die chinesische Modelle nutzen. Eine andere Quelle wies darauf hin, dass sich die Regierung auf potenzielle Hintertüren und Sicherheitslücken konzentrieren könnte. Dies deckt sich mit der „FUD“-Strategie (Fear, Uncertainty, Doubt – Angst, Unsicherheit, Zweifel), die der OpenAI-Stratege Dean W. Ball prognostizierte. Solche „weichen“ Richtlinien und öffentliche Warnungen könnten Unternehmen abschrecken, ohne bindende Regeln zu schaffen.
Wirtschaftliche und Sicherheitsinteressen
Ein wesentlicher Antrieb für diese Maßnahmen sind wirtschaftliche und kommerzielle Interessen. US-Unternehmen nutzen zunehmend günstigere und leistungsfähige chinesische Open-Source-Modelle. Beschränkungen würden die Marktdominanz führender US-Anbieter schützen. Der KI-Sektor trägt zudem maßgeblich zu den Börsengewinnen unter der Trump-Administration bei. Eine Bedrohung des Geschäftsmodells großer US-Anbieter durch chinesische Konkurrenz könnte erhebliche Auswirkungen auf die Märkte haben.
Obwohl Open-Source-Modelle tatsächliche Cybersicherheitsrisiken bergen können, würde ein US-Verbot diese Bedrohungen nicht eliminieren oder wesentlich eindämmen. Offene Modelle können auch zur Cyberverteidigung beitragen und laut Hugging Face kommerzielle Modelle in dieser Aufgabe übertreffen. Eine Einschränkung des Zugangs könnte somit auch eigene Risiken schaffen.
Thema: OpenAI. Quelle/Inspiration: The Decoder.