Andreessen Horowitz (a16z) hat in seiner jüngsten „Top 100 AI“-Liste erstmals Daten zu den tatsächlichen Ausgaben von US-Verbrauchern für KI-Produkte veröffentlicht. Demnach nutzen fast die Hälfte der US-Konsumenten künstliche Intelligenz (KI), doch lediglich 4,5 Prozent hatten im August ein aktives bezahltes Abonnement für Dienste wie ChatGPT, Gemini oder Claude. Die obersten ein Prozent dieser zahlenden Nutzer geben monatlich durchschnittlich rund 900 US-Dollar aus, während der typische zahlende Nutzer etwa 25 US-Dollar pro Monat aufwendet.
Professionelle Nutzung treibt KI-Ausgaben
Die Analyse, die auf beobachteten Ausgaben von US-Konsumentenkarten basiert, zeigt eine hohe Konzentration der Einnahmen: Das oberste Prozent der Zahler ist für fast ein Fünftel der gesamten beobachteten KI-Ausgaben verantwortlich. Diese Top-Zahler bevorzugen häufig Tools für Entwicklung und Automatisierung wie n8n, Manus oder fal sowie Kreativwerkzeuge wie Higgsfield, Figma und HeyGen. Dies deutet darauf hin, dass professionelle Anwendungsfälle die treibende Kraft hinter diesen Ausgaben sind. Laut a16z hat die Konsumenten-KI in dieser Gruppe ihren ersten echten zahlenden Markt gefunden.
Marktführer und Wettbewerb
An der Spitze des Marktes bleibt ChatGPT führend im Web-Traffic, mit etwa doppelt so vielen Zugriffen wie Gemini und sechsmal so vielen wie Claude. Claude hat sich jedoch als klare Nummer drei etabliert und ist bei US-Abonnenten mit Gemini gleichgezogen. Anthropic, das Unternehmen hinter Claude, monetarisiert effektiver: Ein größerer Anteil der Claude-Nutzer befindet sich in der teuersten Abonnementstufe, die bei 100 US-Dollar pro Monat beginnt. Dennoch verzeichnete Claude im Juli und August einen Rückgang der täglichen Sitzungen, während ChatGPT mit neuen Modellen wieder an Fahrt aufnahm.
KI-Agenten als neue Einnahmequelle
Eine neue Entwicklung sind KI-Agenten, die vor sechs Monaten für die meisten Konsumenten noch nicht nutzbar waren. Startups wie Instinct und Tomo berichten nun von Hunderttausenden Nutzern. Auch große Akteure wie Meta mit Muse, OpenAI mit Dots und xAI mit Grok Bot treten in diesen Markt ein. Noah Shinn, Gründer von Instinct, berichtet, dass 40 Prozent seiner Nutzer innerhalb von drei Wochen eine Kreditkarte verknüpfen und dann vierstellige Beträge pro Monat über den Dienst ausgeben, oft für Reisen. Plattformen reagieren unterschiedlich: Amazon blockierte Meta’s Muse, während Unternehmen wie Shopify offizielle Integrationen anbieten.
Wandel der Geschäftsmodelle
Die Mehrheit der führenden KI-Produkte setzt auf Abonnements oder Nutzungsgebühren. Dies steht im Gegensatz zum prä-KI-Internet, wo Werbung den Großteil der Einnahmen generierte. Hohe Modellkosten verhindern, dass KI-Unternehmen auf frühe Einnahmen verzichten, um eine große Nutzerbasis aufzubauen. Alternative Ansätze zeichnen sich jedoch ab: OpenAI meldete im August eine annualisierte Umsatzrate von einer Milliarde US-Dollar aus ChatGPT-Werbung. Persönliche Agenten könnten zudem neue Einnahmequellen durch Affiliate-Gebühren oder Transaktionsbeteiligungen erschließen. Die neuen Ausgabendaten von a16z versuchen, die Lücke zwischen Nutzerzahlen und tatsächlicher Produktnutzung zu schließen, da KI zunehmend von einem eigenständigen Produkt zu einer integrierten Funktion wird.
Thema: Technologie / KI allgemein. Quelle/Inspiration: The Decoder.