Ein Student des Executive MBA-Programms der Yale University, der 208.500 US-Dollar Studiengebühren zahlte, hat die Hochschule im Februar 2025 verklagt. Dies geschah, nachdem ihm vorgeworfen wurde, Künstliche Intelligenz (KI) bei einer Abschlussprüfung eingesetzt zu haben, woraufhin er für ein Jahr suspendiert wurde und die Note F erhielt.
Der Betrugsvorwurf und die Suspendierung
Der Student, Rignol, war nach eigenen Angaben ein Spitzenstudent und auf dem Weg, als Klassenbester abzuschließen. Die Vorwürfe führten dazu, dass er die Ehrung als Jahrgangsbester verlor. Der Vorfall betrifft die Abschlussprüfung im Fach „Sourcing and Managing Funds“ aus dem Frühjahr 2024. Die Prüfung war als „Open Book“, aber „Closed Internet“ konzipiert, und die Nutzung von KI-Tools war strengstens untersagt. Rignols Prüfung war die einzige von 72 eingereichten Arbeiten, die von einem Lehrassistenten wegen möglicher KI-Nutzung beanstandet wurde, teilweise aufgrund ihrer ungewöhnlichen Länge.
Professor K. Geert Rouwenhorst, einer der Dozenten, äußerte am 11. Juni 2024 gegenüber dem Dekanat Bedenken. Er führte an, dass ein KI-Erkennungstool namens GPTZero – dessen Unzuverlässigkeit bekannt ist und das selbst Yale als unzureichend zur Überwachung von KI-Nutzung betrachtet – in mehreren Abschnitten der Prüfung KI-generierten Text vermutete. Des Weiteren zeigte eine Antwort „erhebliche Überschneidungen“ mit einem Output, der von ChatGPT auf dieselbe Frage generiert wurde. Zudem schnitt Rignol bei Frage 5, wo KI-Tools am wenigsten hilfreich waren, „relativ schlecht“ ab. Das Lehrteam zweifelte auch an, ob jemand eine Prüfung dieser Länge und Qualität innerhalb von vier Stunden hätte verfassen können.
Rignols Verteidigung und Yales Sichtweise
Rignol weist die Vorwürfe zurück. Er argumentiert, dass seine langen und gut formatierten Antworten das Ergebnis seiner eigenen Intelligenz und akademischen Exzellenz seien. Er verweist zudem auf seinen französischen Hintergrund und die bekannte Voreingenommenheit von GPTZero gegenüber Nicht-Muttersprachlern, deren formale und strukturierte Prosa fälschlicherweise als KI-generiert interpretiert werden könne. Rignol behauptet auch, das Disziplinarverfahren sei ein „Scheinverfahren“, um seine „geschützte konservative politische Rede“ zu zensieren, da er sich für „kleinere Regierung, wirtschaftsfreundliche Politik und Skepsis gegenüber DEI“ eingesetzt habe. Yale weist Behauptungen zurück, ihn unter Druck gesetzt oder mit Abschiebung gedroht zu haben.
Die Universität hingegen stellt Rignols Verhalten als zögerlich und ausweichend dar. Professor James Choi, der das Honor Committee leitete, forderte Rignol mehrfach auf, die ursprüngliche Datei (ein Apple Pages-Dokument) herauszugeben, aus der das Prüfungs-PDF erstellt wurde. Yale ist der Ansicht, dass diese Datei „Licht darauf hätte werfen können, ob der Kläger KI-Tools verwendet hat“. Rignol verzögerte die Übergabe der Datei über Monate hinweg. Die Universität wies darauf hin, dass mangelnde Kooperation als schwerwiegender Verstoß gegen den Ehrenkodex gewertet werden würde.
Die Klage und ihre Forderungen
Rignols Klage, die seit Februar 2025 läuft und bereits 125 Akteneinträge sowie drei geänderte Klageschriften umfasst, enthält 13 separate Klagepunkte gegen Yale. Dazu gehören Vertragsbruch, Bürgerrechtsverletzungen, seelische Belastung, unfaire Handelspraktiken, Verleumdung und Verletzung der Privatsphäre. Er fordert „unbegrenzten“ Schadenersatz für sein körperliches Wohlbefinden, seinen emotionalen Zustand, seinen Ruf, „vergangene und zukünftige wirtschaftliche Verluste“ sowie Schäden an seinen Karriereaussichten. Trotz der Tatsache, dass Yale angibt, Rignol sei bereits von seiner Suspendierung zurückgekehrt und habe seinen Abschluss gemacht, fordert die Klage, dass die Universität ihn wieder aufnimmt, die Note F rückgängig macht und seine Disziplinarakten löscht.
Thema: Apple. Quelle/Inspiration: Ars Technica.