Eine aktuelle Arbeitsstudie des CESifo in München kommt zu dem Schluss, dass es keine Anzeichen für eine signifikante, weitreichende Verdrängung oder Reduzierung von Neueinstellungen bei kürzlich graduierten Hochschulabsolventen durch Künstliche Intelligenz (KI) gibt. Dies widerspricht früheren Annahmen und einer Studie der Stanford University.
Arbeitsmarktdaten für Absolventen
Die Ökonomen Robert Fairlie und Jane Wu konzentrierten sich in ihrer Untersuchung „The Early Impacts of AI on Employment Among Recent College Graduates“ auf junge Hochschulabsolventen im Alter von 22 bis 25 Jahren, die einen Bachelor-Abschluss besitzen und kein weiterführendes Studium absolvieren. Sie begründeten diesen Fokus damit, dass Veränderungen in der Arbeitsnachfrage sich zuerst bei Neueinstellungen zeigen könnten, da KI standardisierte Aufgaben in Einstiegsjobs übernehmen und Unternehmen so den Bedarf an neuen Mitarbeitern reduzieren könnten, statt erfahrene Angestellte zu entlassen.
Die Forscher analysierten detaillierte Mikrodaten aus der Current Population Survey des US Census, um die Arbeitslosentrends von 2022 bis 2026 zu untersuchen. Im Sommer 2026 lag die Arbeitslosenquote für diese Gruppe bei 7,3 Prozent. Dieser Wert bewegt sich im Rahmen der Vorjahre, die von 6,3 Prozent im Jahr 2022 bis 7,8 Prozent im Jahr 2024 reichten. Auch erweiterte Analysen, die Personen umfassten, die zwar einen Job suchten, aber nicht aktiv gemeldet waren, zeigten keine ungewöhnlichen Ergebnisse.
Zur Überprüfung der Ergebnisse führten die Forscher statistische Vergleiche durch, unter anderem mit Nicht-Akademikern derselben Altersgruppe und älteren Akademikern (30 bis 49 Jahre). Auch eine Aufschlüsselung nach dem potenziellen „KI-Expositionsgrad“ von Berufsfeldern ergab keine statistisch signifikanten Trendunterschiede im Untersuchungszeitraum von 2022 bis 2026. Die Daten legen konsistent nahe, dass die Arbeitslosigkeit unter jungen Hochschulabsolventen im Sommer 2026 nicht ungewöhnlich hoch war.
Unterschiede zu früheren Studien
Die Ergebnisse des CESifo-Papiers stehen im Gegensatz zu einer früheren Stanford-Studie, die einen Rückgang bei Einstiegsjobs in KI-relevanten Berufen feststellte. Die CESifo-Forscher führen dies auf unterschiedliche Datengrundlagen zurück: Die Stanford-Studie basierte auf Gehaltsabrechnungsdaten des Personaldienstleisters ADP, während die CESifo-Analyse auf breiteren Daten des US Census beruht und zusätzlich die Gesamtnachfrage nach Arbeitsplätzen berücksichtigt, die sich auch bei einem sinkenden Stellenangebot durch KI verschieben kann.
Ausblick und zukünftige Entwicklungen
Trotz der aktuellen Entwarnung warnen die Forscher, dass die beobachteten Trends nicht zwangsläufig die zukünftige Entwicklung vorwegnehmen. Sie weisen darauf hin, dass die Abschlussjahrgänge ab 2027 stärker betroffen sein könnten, sollte die Intensität des KI-Einsatzes am Arbeitsplatz weiter zunehmen. Als Indikatoren für ein potenziell erhöhtes Risiko nennen sie einen jüngsten Anstieg der Unternehmen, die eine große Anzahl von Mitarbeiteraufgaben durch KI ersetzen, sowie allgemeine Zunahmen der KI-Ausgaben pro Mitarbeiter und der Nutzung von ChatGPT Enterprise-Tokens in den letzten zwölf Monaten. Prominente Stimmen wie der Risikokapitalgeber Marc Andreessen und BlackRock CEO Larry Fink äußerten bereits Bedenken, dass die KI-Entwicklung ab Ende 2025 oder 2026 tatsächlich Jobs verdrängen könnte.
Thema: Technologie / KI allgemein. Quelle/Inspiration: Ars Technica.