Googles KI-Vergütung für Verlage: Geringe Zahlungen und Skepsis

2026-09-30 · kamil

Ein Pilotprogramm von Google, das Verlage für die Verwendung ihrer Inhalte in KI-gestützten Suchergebnissen vergüten soll, stößt bei vielen Teilnehmern auf Enttäuschung. Berichten zufolge erhalten zahlreiche Websites lediglich ein Zehntel eines Prozents ihrer Werbeeinnahmen durch diese Zahlungen. Dies führt zu erheblicher Skepsis unter den beteiligten Publishern und jenen, die das Programm von außen beobachten.

Das Pilotprogramm und seine Herausforderungen

Google hat etwa 100 Verlage in das sogenannte „AI contribution pilot“ aufgenommen. Das Versprechen ist, dass Websites Zahlungen erhalten, wenn ihre Inhalte maßgeblich zu Gemini-gestützten Suchergebnissen, wie zum Beispiel einer KI-Übersicht (AI Overview), beitragen. Google hatte sich lange gegen direkte Zahlungen an Verlage gesträubt und argumentierte, dass Websites im Gegenzug für das Crawling ihrer Inhalte durch Google-Bots für Such- und Knowledge-Graph-Tools Traffic erhalten. Im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz verändert sich diese Beziehung jedoch.

Bislang erweist sich die finanzielle Entschädigung für viele Verlage als minimal. Kleinere und mittlere Publisher im Programm berichten, dass Googles KI-Zahlungen nur rund 0,1 Prozent ihrer Werbeeinnahmen ausmachen. Diese geringen Summen haben dazu geführt, dass mehrere größere Verlage die Teilnahme an dem Pilotprogramm abgelehnt haben, in der Hoffnung, Google zu einem großzügigeren Angebot zu bewegen.

Schwankende Einnahmen und unklare Kriterien

Die Zahlungen innerhalb des Programms variieren stark. Ein frühzeitig beigetretener Verlag ist auf dem besten Weg, über eine Million US-Dollar pro Jahr zu verdienen, was einen erheblichen Teil seiner Einnahmen darstellt. Ein späterer Teilnehmer hat zwischen 50.000 und 60.000 US-Dollar erhalten, während diverse kleinere Websites über mehrere Monate hinweg weniger als 1.000 US-Dollar aus dem Programm erzielen. Diese Beträge reichen oft nicht aus, um den Rückgang des Website-Traffics auszugleichen.

Verlage im Testprogramm stimmen überein, dass bestimmte Nischenthemen mit starkem Interesse, wie Anime und Gaming, tendenziell höhere Einnahmen generieren. Allerdings erschwert die mangelnde Transparenz die Nachverfolgung der Zahlungen in der Search Console. Es ist unklar, welche Beiträge als „bedeutsam“ für eine KI-Antwort gelten, was eine Planung zukünftiger Einnahmen unmöglich macht.

Wachsende Spannungen und rechtliche Schritte

Google betont seit Jahren sein Ziel, die Informationen der Welt zu organisieren. Dies funktioniert jedoch nur, wenn online Inhalte verfügbar sind. Obwohl moderne KI-Modelle auf Daten aus dem Web trainiert werden, benötigen KI-Antworten im Suchkontext oft die Unterstützung aktueller Webinhalte. Würden Websites die Veröffentlichung einstellen oder Google blockieren, würde die Qualität der KI-Suche leiden.

Das Pilotprogramm ist ein Versuch, eine neue Beziehung zwischen Google und den Verlagen zu schmieden. Die geringen Zahlungen und die unklare Definition von KI-Beiträgen könnten jedoch eine Ausweitung des Programms erschweren. Derweil wächst der Unmut unter den Publishern.

Einige Verlage wehren sich bereits gegen Googles Umstellung auf die KI-Suche. Die New York Times hat eine Urheberrechtsklage gegen das Unternehmen eingereicht, in der sie Google und andere KI-Firmen beschuldigt, ihre Inhalte illegal zum Trainieren von KI-Modellen verwendet zu haben. Penske Media, Betreiber von Websites wie Variety und Rolling Stone, hat Google wegen verlorenen Traffics verklagt. Das Unternehmen moniert, dass Googles Entscheidung, das Scraping für KI an die standardmäßige Web-Indexierung zu koppeln, unfair sei, da es keine dedizierte Opt-out-Option gibt.

Regulierungsbehörden nehmen Google ins Visier

Auch Regulierungsbehörden werden auf die Situation aufmerksam. Die britische Regierung hat Google Anfang des Jahres angewiesen, eine KI-Opt-out-Option für Verlage anzubieten, die diese in den organischen Suchergebnissen nicht benachteiligt. Die Europäische Kommission führt zudem eine kartellrechtliche Untersuchung durch, um festzustellen, ob Google Verlage für die Nutzung ihrer Inhalte in KI-Antworten angemessen entschädigt. Angesichts der jüngsten Bilanz des Unternehmens in der EU scheint ein positives Ergebnis für Google unwahrscheinlich.


Thema: Google. Quelle/Inspiration: Ars Technica.

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