Der US-Bundesstaat Delaware erwägt die Einführung einer neuen Unternehmensform, der „Artificial Intelligence Company“ (AIC), die vollständig von Künstlicher Intelligenz (KI)-Agenten geführt werden könnte. Dieses Vorhaben hat jedoch bereits Kritik auf Bundesebene hervorgerufen, insbesondere wegen potenzieller Haftungsfragen für die menschlichen Eigentümer.
Das Konzept der KI-gesteuerten Unternehmen
Ein Entwurf für ein Landesgesetz in Delaware sieht vor, dass KI-Agenten die Geschäfte und Angelegenheiten einer AIC leiten können. Diese autonomen Software-Agenten wären befugt, Verträge abzuschließen, Lieferanten zu bezahlen und Transaktionen durchzuführen, ohne menschliches Zutun. Ausgenommen von dieser Regelung ist lediglich das Bankgeschäft; ansonsten ist jeder rechtmäßige Unternehmenszweck zulässig.
Die Struktur sieht vor, dass ein „Mitglied“ – eine natürliche oder juristische Person – für die Kapitalisierung der AIC verantwortlich ist. Dieses Mitglied wäre grundsätzlich von den Schulden der AIC abgeschirmt. Ausnahmen bestehen jedoch, wenn das Mitglied die Gesellschaft zur Begehung von Betrug, vorsätzlichen Gesetzesverstößen nutzt oder wissentlich Geschäfte außerhalb des erklärten Unternehmenszwecks zulässt. Die AIC wäre zudem verpflichtet, ein Protokoll ihrer Aktivitäten zu führen.
Bedenken und Kritik aus Washington
US-Repräsentant James Comer (R-Ky.), Vorsitzender des Aufsichtsausschusses des Repräsentantenhauses, hat in einem Brief an Delawares Gouverneur Matt Meyer seine Besorgnis über den Vorschlag geäußert. Comer befürchtet, der Plan könnte mächtigen KI-Unternehmen und ihren Investoren ermöglichen, der Verantwortung für „rücksichtsloses und schädliches Handeln“ ihrer KI-Systeme zu entgehen. Er warnt zudem vor dem Potenzial für Missbrauch und der Abschirmung „intransparenter Kräfte“, die eine wettbewerbswidrige Regulierungsvereinnahmung anstreben könnten.
Comer deutete an, dass die Untersuchung des Delaware-Plans durch seinen Ausschuss zu Vorschlägen für ein Bundesgesetz führen könnte, das die Regulierungsbefugnisse der Bundesstaaten im Bereich der KI entsprechend einschränken würde.
Delawares Vision und die Rolle der „Regulatory Sandbox“
Delawares Gouverneur Matt Meyer und Staatssekretärin Charuni Patibanda-Sanchez sind Befürworter des Konzepts. Patibanda-Sanchez argumentierte in einem Gastbeitrag für Fortune im Juli 2026, dass ein Verbot autonomer KI-Systeme unwahrscheinlich sei und stattdessen ein rechtlicher Rahmen geschaffen werden müsse, um diese Systeme „lesbar“ und rechenschaftspflichtig zu machen.
Als Teil des Vorschlags ist eine „Regulatory Sandbox“ geplant, eine Art kontrollierte Testumgebung, die für 30 Monate bestehen soll. Diese Sandbox soll dazu dienen, den „agentischen Handel“ unter Aufsicht zu erproben und eine umfassende Datengrundlage für zukünftige Gesetzgebungsentscheidungen zu schaffen. Delaware, das bereits als Top-Standort für Unternehmensgründungen gilt und zwei Drittel der Fortune-500-Unternehmen beheimatet, erhofft sich durch die AICs zusätzliche Steuereinnahmen und Gebühren. Die Entwicklung des rechtlichen Rahmens erfolgt in einer öffentlich-privaten Partnerschaft mit dem Unternehmen Norm Ai.
Thema: Technologie / KI allgemein. Quelle/Inspiration: Ars Technica.