FAA plant KI-Tool für Flugverkehrsmanagement in Washington D.C.

2026-09-19 · kamil

Die US-amerikanische Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration (FAA) plant die Einführung eines neuen KI-gestützten Systems namens SMART, um die Steuerung des Flugverkehrs zu optimieren. Der Start ist voraussichtlich bereits am Montag, den 21. September, in der überlasteten Luftraumregion um Washington, D.C. geplant. Dies stellt den ersten Schritt eines umfassenderen, landesweiten Rollouts dar, der letztlich den gesamten von der FAA überwachten Luftraum der USA umfassen soll. Ein entsprechender, auf zwölf Jahre angelegter Vertrag im Wert von 875 Millionen US-Dollar wurde im Juni an das in Boston ansässige Unternehmen Air Space Intelligence vergeben.

Funktionsweise und Ziele von SMART

Das SMART-System nutzt künstliche Intelligenz (KI), um Flugverkehrsströme zu prognostizieren und potenzielle Konflikte zu identifizieren. Dabei berücksichtigt es operationelle Faktoren wie Flugpläne der Airlines, Wetterbedingungen, Kapazitäten der Flughäfen und die aktuelle Luftraumsituation. Ziel ist es, der FAA, den Fluggesellschaften und den Flugzeugbetreibern eine einheitliche Sicht auf die Betriebsbedingungen zu ermöglichen, um effizientere Routen und Abflugzeiten abzustimmen.

Zu den angestrebten Vorteilen von SMART gehören eine Reduzierung des Treibstoffverbrauchs von Flugzeugen, eine Verbesserung der Pünktlichkeit von Flügen sowie eine schnellere Erholung nach Wetterereignissen oder Staus im Luftverkehr. Die FAA hat klargestellt, dass das KI-Tool die bestehenden Verfahren für Fluglotsen oder Fluggesellschaften nicht ändern wird. Stattdessen soll es „alternative Routeninformationen“ bereitstellen, die über bereits vorhandene FAA-Systeme zugänglich gemacht werden.

Begrenzte Einführung und Branchenreaktionen

Die Entscheidung, SMART zunächst in einem begrenzten Umfang im Raum Washington, D.C., einzuführen, wird von Experten wie Philip Mann, einem Berater für Flugsicherheit und KI-Governance, als „richtiger Schritt“ bewertet. Mann, der zuvor 17 Jahre bei der FAA tätig war, erklärte, dass das Risiko eines nationalen Systems mit KI-Komponenten größer sei als bei bisherigen FAA-Systemen und jede Begrenzung des Umfangs die Unwägbarkeiten reduziere.

Berichten zufolge herrschte in der Luftfahrtbranche zunächst Verwirrung über die Pläne der Behörde. Die Bedenken der Fluggesellschaften legten sich jedoch, nachdem die FAA versicherte, dass SMART keine Änderungen an bestehenden Abläufen mit sich bringen würde.

Hintergrund: Modernisierung und Personalmangel

Die Einführung von SMART fällt in eine Zeit, in der die FAA ein milliardenschweres Modernisierungsprogramm zur Erneuerung ihrer alternden Ausrüstung für die Flugsicherung durchführt. Gleichzeitig kämpft die Behörde seit Jahrzehnten mit einem Personalmangel bei den Fluglotsen, der durch Entlassungen im Jahr 1981 entstand und sich durch Regierungsschließungen und die COVID-19-Pandemie verschärfte. Laut einem Bericht des US Government Accountability Office aus dem Dezember 2025 ist die Zahl der Fluglotsen in den letzten zehn Jahren um sechs Prozent gesunken.

Die FAA setzt möglicherweise auf die Kombination aus Modernisierung und neuen Technologien wie SMART, um den Personalmangel abzumildern. Im Mai dieses Jahres revidierte die Behörde die geschätzte Anzahl der benötigten Fluglotsen für den Zeitraum 2026 bis 2028 um etwa 2.000 nach unten. Die Herausforderungen sind jedoch erheblich, wie ein Unfall vom 29. Januar 2025 zeigte, bei dem 67 Menschen ums Leben kamen und Unterbesetzung im Tower als einer der ursächlichen Faktoren genannt wurde.


Thema: Technologie / KI allgemein. Quelle/Inspiration: Ars Technica.

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