Die Gates Foundation plant, über die nächsten zwei Jahre mindestens eine Milliarde US-Dollar zu investieren, um künstliche Intelligenz (KI) in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Landwirtschaft breiter verfügbar zu machen. Mitgründer Bill Gates äußert die Sorge, dass die Technologie ohne gezielte Maßnahmen die Kluft zwischen Arm und Reich weltweit vertiefen könnte.
Gates betont, dass die Entscheidungen der kommenden 12 bis 18 Monate entscheidend dafür sein werden, ob KI primär den bereits Begüterten zugutekommt oder auch jene erreicht, die am wenigsten haben. Er sieht die Möglichkeit, dass KI, „wenn gut geformt, den Zugang zu Lösungen, Möglichkeiten und Wissen erweitern könnte, das oft unerreichbar war.“
Sprachliche Ungleichheit als Kernproblem
Ein zentrales Argument von Gates ist die unausgewogene Datenbasis von KI-Modellen. Mehr als 90 Prozent der Trainingsdaten für frühe große Sprachmodelle (Large Language Models, LLMs) stammten aus englischen Quellen. Dies führt dazu, dass die Menschen, die am meisten von KI profitieren könnten, in den Systemen kaum repräsentiert sind.
Als Beispiel nennt Gates die Spracherkennung: Während die Fehlerrate für führende Systeme im Englischen unter sechs Prozent liegt, scheitern dieselben Systeme im Yoruba, einer westafrikanischen Sprache, in über 60 Prozent der Fälle. Schlechte Übersetzungen könnten in medizinischen Notfällen über Leben und Tod entscheiden.
Marktversagen und gezielte Projekte
Gates argumentiert, dass der Markt dieses Problem nicht von allein lösen wird. Er bezeichnet den Markt als „einen außergewöhnlichen Motor für Innovation, aber einen schrecklichen Garanten für Chancengleichheit“. Werde die Entwicklung dem Markt überlassen, entstünden die leistungsfähigsten Tools zuerst für jene, die zahlen können.
Der Bericht der Gates Foundation hebt bereits laufende Projekte hervor, die diesen Ansatz unterstützen:
- In Kenias Penda Health Kliniken assistiert eine KI dem medizinischen Personal bei Diagnosen und Medikamentendosierungen, wodurch die Diagnosegenauigkeit um 16 Prozentpunkte gestiegen ist.
- In Sierra Leone erzielten Schüler, die das Gemini Guided Learning Tool nutzten, in einem achtwöchigen Pilotprojekt Lernfortschritte von bis zu 1,7 Jahren.
- Indiens MahaVISTAAR KI-Beratungsdienst für Landwirte erreicht bereits über 740.000 Menschen und kostet die Regierung weniger als 18 Cent pro Person.
Strategische Neuausrichtung
Die Milliarde Dollar ist Teil eines größeren Plans der Gates Foundation, bis zu ihrer Schließung im Jahr 2045 rund 200 Milliarden Dollar auszugeben. Dies entspricht laut Bloomberg 99 Prozent von Gates‘ verbleibendem Vermögen.
Die aktuelle Initiative steht im Kontrast zu früheren Äußerungen von Gates, der in der Vergangenheit vor den Risiken der KI warnte, darunter dauerhafter Arbeitsplatzverlust, der Missbrauch zur Entwicklung von Biowaffen und die psychologischen Auswirkungen von ständig verfügbaren KI-Begleitern. Der Goalkeepers-Bericht zeigt nun die andere Seite dieser Debatte, indem Gates dieselbe Technologie als große Chance darstellt, sofern ihre Vorteile durch gezielte Politik statt durch Zufall gesichert werden.
Thema: Technologie / KI allgemein. Quelle/Inspiration: The Decoder.