KI-Ergebnisse bei IT-Führungskräften: Fortschritt, aber geringer ROI

2026-09-26 · kamil

Eine aktuelle Umfrage unter 160 IT-Vizepräsidenten in Las Vegas offenbart eine ambivalente Einschätzung der Künstlichen Intelligenz (KI) in Unternehmen: Während zwei Drittel der Befragten messbare Ergebnisse durch den Einsatz von KI vorweisen können, sind lediglich acht der Meinung, dass diese Erfolge so gravierend sind, dass sie die Sommerpause eines CEOs unterbrechen würden.

Die KI-Blasen-Debatte und der Return on Investment

Diese Diskrepanz wirft Fragen im Kontext der sogenannten KI-Blasen-Debatte auf, die sich im Kern darum dreht, ob die Einnahmen von KI-Laboren schnell genug wachsen, um die massiven Investitionen in Rechenzentren zu finanzieren. Eine entscheidende Rolle spielt hierbei, wie lange gekaufte KI-Chips in der Produktion nützlich bleiben – vier, sechs oder acht Jahre verändern die Kalkulation erheblich. Die wichtigste Frage ist jedoch, ob Unternehmen genügend realen Wert aus KI ziehen, um weiterhin in diese Technologie zu investieren, idealerweise zu steigenden Preisen. Bislang sei der Return on Investment (ROI), also die Kapitalrendite, auf gesamtwirtschaftlicher Ebene nicht dokumentierbar und zeige sich lediglich in Einzelfällen.

Azeem Azhars Umfrageergebnisse

Der britische Tech-Unternehmer Azeem Azhar, Gründer der Forschungsgruppe Exponential View, lieferte eine solche Anekdote. In einem Gespräch mit Nicholas Thompson von The Atlantic berichtete Azhar von seiner Umfrage unter etwa 160 IT-Vizepräsidenten. Er fragte, wer messbare KI-Ergebnisse vorweisen könne; zwei Drittel blieben stehen, was seine Erwartungen übertraf. Auf die Nachfrage, wer Ergebnisse habe, die eine Unterbrechung des Sommerurlaubs des CEOs rechtfertigen würden, blieben jedoch nur etwa acht Personen übrig.

Langsame Fortschritte und verschiebende Investitionen

Azhar interpretiert dies als Zeichen, dass Unternehmen zwar Fortschritte erzielen, diese jedoch nur langsam voranschreiten. Ob dieses Tempo ausreicht, um die aktuellen Investitionsniveaus zu rechtfertigen, bleibt offen. Einige Führungskräfte berichten von wachsendem Ehrgeiz ihrer Vorstände nach ersten Erfolgen. Selbst in langsameren Märkten wie Italien nehmen das Vertrauen und die Budgets zu, trotz anfänglicher Fehltritte.

Gleichzeitig beobachten Experten eine Tendenz vieler Unternehmen, von teuren „Frontier Models“ – den leistungsstärksten und teuersten KI-Modellen – zu kostengünstigeren „Open-Weight“-Alternativen zu wechseln. Dies könnte zwar die Nutzung von KI steigern, aber die „Blase“ dennoch platzen lassen, da weniger Einnahmen an die Entwickler der teuren Modelle zurückfließen, die den Ausbau der Infrastruktur finanzieren müssen.

Anreize und eine „fein austarierte“ Situation

Ein weiterer Faktor, der die Einschätzung erschwert, ist eine Umfrage der Boston Consulting Group, wonach etwa 70 Prozent der CEOs weltweit den Erfolg von KI als relevant für ihre eigene Wahrnehmung im Amt ansehen. Dies könnte einen Anreiz schaffen, die Realität positiver darzustellen, als sie ist. Azeem Azhar betont, dass er selbst keine einfache Antwort auf die Frage nach der KI-Blase hat und die Situation als „fein austariert“ betrachtet.


Thema: Technologie / KI allgemein. Quelle/Inspiration: The Decoder.

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