KI-Stimmenfirma ElevenLabs erreicht 22 Milliarden Dollar Bewertung

2026-09-24 · kamil

ElevenLabs, ein auf Künstliche Intelligenz (KI) basierender Anbieter für die Erzeugung menschlich klingender Stimmen, wird von seinen Investoren mit einem Wert von 22 Milliarden US-Dollar beziffert. Das erst vier Jahre alte Unternehmen erzielt dabei einen jährlichen wiederkehrenden Umsatz (Annual Recurring Revenue, ARR) von 600 Millionen US-Dollar. Mati Staniszewski, Mitgründer und CEO von ElevenLabs, äußerte sich diese Woche zur Notwendigkeit, dass Unternehmen ihre Kunden über den Einsatz von KI im Kundenservice informieren sollten.

Einsatzbereiche und Marktdurchdringung

ElevenLabs entwickelt die sogenannte „Voice Layer“ der KI, also Modelle, die Text in menschliche Sprache umwandeln. Diese Technologie findet breite Anwendung, oft ohne dass Nutzer dies bewusst wahrnehmen. So nutzt beispielsweise Klarna die Dienste von ElevenLabs für den telefonischen Erstsupport von 35 Millionen US-Kunden. Auch namhafte Unternehmen wie die Deutsche Telekom, Cisco und Adobe sowie eine wachsende Zahl von Regierungen setzen auf die KI-Stimmen des Unternehmens. Darüber hinaus bedient ElevenLabs Kreative, die die Plattform für Hörbücher, Synchronisation und Musikproduktion nutzen.

Wettbewerb und Marktstrategie

Obwohl ElevenLabs einen starken Marktwert aufweist, agiert es nicht isoliert. Das Unternehmen sieht sich zunehmend im Wettbewerb mit ehemaligen Kunden. Als Beispiel nennt Staniszewski Decagon, eine Konversations-KI-Plattform, die ihr Sprachprodukt ursprünglich auf ElevenLabs trainierte und nun eigene Modelle einsetzt. Diese Entwicklung zeige, wie die Grenzen zwischen Modell-, Plattform- und Anwendungsunternehmen zunehmend verschwimmen.

Staniszewski betont, dass die Qualität der Modelle, insbesondere im Hinblick auf ein Bestehen des Turing-Tests für Konversations-KI, noch erhebliches Entwicklungspotenzial birgt. Der Turing-Test misst die Fähigkeit einer Maschine, menschenähnliche Intelligenz zu demonstrieren, die von einem Menschen nicht von echter menschlicher Intelligenz zu unterscheiden ist. Dafür sei neben reiner Intelligenz auch emotionale Intelligenz erforderlich, um beispielsweise die Stimmung des Gesprächspartners zu erkennen und die Sprechweise entsprechend anzupassen. Der aktuelle ARR von 600 Millionen US-Dollar setzt sich zu über 55 Prozent aus klassischen Großkunden (Enterprise) zusammen, der Rest entfällt auf kleine und mittlere Unternehmen, Entwickler und Kreative.

Die Wahl zwischen sogenannten „Frontier Models“ (hochentwickelte, oft proprietäre Modelle) und „Open-Weight Models“ (offene Modelle mit öffentlich zugänglichen Parametern) hängt laut Staniszewski stark vom Anwendungsfall ab. Während für rein informative Kundendienstanfragen Open-Source-Modelle ausreichen können, seien in sensiblen Bereichen wie Finanzdienstleistungen, wo Authentifizierung und Transaktionsdetails eine Rolle spielen, fehlerfreie Frontier Models weiterhin führend.

Transparenz und Zukunftsaussichten

Der CEO von ElevenLabs plädiert dafür, Kunden aktuell über den Einsatz von KI im Gespräch zu informieren, da dies noch nicht die Erwartungshaltung der Menschen sei. Er prognostiziert jedoch, dass sich dies in etwa fünf Jahren ändern werde, wenn eigene KI-Agenten zum Standard werden. In Bezug auf die Bruttomargen des Unternehmens äußerte sich Staniszewski vage, betonte aber die Bereitschaft, diese zugunsten von Marktwachstum und Wertschöpfung zu senken.

Die Trainingsdaten für die KI-Modelle stammen nicht nur aus großen Datenmengen, sondern vor allem aus einer detaillierten Annotation. Tausende von Vertragspartnern sind intern damit beschäftigt, nicht nur den gesprochenen Text, sondern auch Sprechweisen, Emotionen und Akzente zu analysieren, wobei sogar Sprachtrainer zum Einsatz kommen. Bezüglich eines möglichen Börsengangs (IPO) in den nächsten Jahren bereitet ElevenLabs zwar die Grundlagen vor, die endgültige Entscheidung hänge jedoch vom passenden Zeitpunkt ab. Staniszewski befürwortet zudem, dass alle Akteure im KI-Bereich Vorsichtsmaßnahmen bei der Bereitstellung der Technologie ergreifen sollten, weist aber darauf hin, dass ElevenLabs keine textbasierten Intelligenzmodelle entwickelt, die im Zentrum der Debatten um KI-Sicherheit stehen.


Thema: Technologie / KI allgemein. Quelle/Inspiration: TechCrunch.

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