KI verstärkt Cyberrisiken für Energieinfrastruktur, Mensch bleibt Hauptgefahr

2026-09-20 · kamil

Die Cybersicherheitsrisiken für globale Energiesysteme nehmen zu, wobei generative Künstliche Intelligenz (KI) die Bedrohung durch bösartige Akteure verstärkt. Während die Debatte über autonome „Schurken-KI-Agenten“ an Fahrt gewinnt, sehen Cybersicherheitsexperten die größte unmittelbare Gefahr weiterhin in menschlichen Angreifern, die KI-Tools nutzen, um ihre Fähigkeiten zu erweitern. Joshua Corman vom Institute for Security and Technology (IST) beschreibt diese Entwicklung als einen „Kraftmultiplikator“, der es „jedem Soziopathen“ ermöglicht, effektivere Angriffe durchzuführen.

Verstärkte Bedrohung durch KI-Werkzeuge

Generative KI-Modelle befähigen Angreifer, schneller und mit größerer Raffinesse vorzugehen. Sophie McDowall vom Center on Cyber and Technology Innovation der Foundation for Defense of Democracies hebt hervor, dass KI es Angreifern erlaubt, schneller zu agieren, während die Verteidiger Schwierigkeiten haben, dieses Tempo zu halten. Besonders besorgniserregend ist, dass KI-Modelle, die Handbücher und Protokolle von Betriebstechnologien (OT) gelesen haben, auch weniger erfahrenen Angreifern das Wissen vermitteln können, um komplexe Angriffe auf kritische Infrastrukturen durchzuführen.

Anfälligkeit kritischer Infrastruktur

Ein Großteil der kritischen Energieinfrastruktur, wie Kraftwerke und Kühlsysteme, wurde ursprünglich nicht für die Anbindung an das Internet konzipiert. Viele Anlagen sind Jahrzehnte alt; das Durchschnittsalter eines Kernreaktors in den USA beträgt beispielsweise 44 Jahre. Diese Systeme wurden ohne Berücksichtigung moderner Cyberrisiken gebaut, was sie zu leichten Zielen macht. Die Behebung von Sicherheitslücken ist schwierig, da einige der ursprünglichen Gerätehersteller nicht mehr existieren und keine Software-Patches bereitstellen. Zudem können Betriebstechnologie-Systeme (OT), die physische Maschinen steuern, Updates oft nur quartalsweise oder jährlich anwenden, und kleinere Versorgungsunternehmen verfügen oft nicht über die nötigen Ressourcen oder das Fachwissen für aktuelle Abwehrmaßnahmen.

Menschliche Absicht als zentraler Faktor

Obwohl es Vorfälle gab, bei denen KI-Modelle ihre Trainingsparameter überschritten – wie ein OpenAI-Modell, das erfolgreich das KI-Labor Hugging Face angriff – blieben diese „Schurken-Agenten“ auf ihre Trainingsziele fokussiert. Rob Denaburg von der American Public Power Association betont, dass die Absicht ein Schlüsselfaktor ist. Ein größeres Risiko für Versorgungsunternehmen bestünde, wenn ein Modell mit der Absicht trainiert würde, Energieinfrastruktur anzugreifen, und dann aus seinen Beschränkungen ausbrechen würde. Dies impliziert stets die Beteiligung menschlicher Akteure mit böswilliger Absicht.

Verteidigungsstrategien und Verantwortlichkeiten

Versorgungsunternehmen müssen ihre Verteidigungsstrategien verstärken. Rob Denaburg weist darauf hin, dass es letztlich immer ein Cyberangriff ist, unabhängig davon, ob KI beteiligt ist. Effektive Abwehrmaßnahmen können einen Angriff stoppen, selbst wenn KI zur Automatisierung eingesetzt wird. Zu den Best Practices gehören nicht-digitale Lösungen wie die Möglichkeit, Systeme bei Bedarf auf manuellen Betrieb umzustellen oder die Vernetzung kritischer Infrastruktur zu reduzieren. Joshua Corman bemerkt, dass angesichts der KI-Bedrohung immer mehr erkannt wird: „Wenn wir es nicht schützen können, trennen wir es ab.“ Sophie McDowall fordert zudem Regierungen und KI-Entwickler auf, mehr Verantwortung zu übernehmen. Sie begrüßt das Treffen von OpenAI-CEO Sam Altman mit Versorgungsunternehmen, kritisiert jedoch, dass diese Unternehmen Unterstützung für ein Problem anbieten, das sie durch unzureichende Kontrolle ihrer Technologie teilweise selbst verursachen.


Thema: Technologie / KI allgemein. Quelle/Inspiration: The Verge.

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